Schwäne (int. Synchronzählung)

Europaweite Synchronzählungen von Zwerg- und Singschwan

Zwergschwan. Foto: L. Ritzel Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für Zwergschwäne. Daher erfolgt sowohl im Januar als auch Ende Februar 2020 in Deutschland eine vollständige Erfassung.
Foto: L. Ritzel
Schwäne halten sich während des Tages oft abseits der Gewässer in den Nahrungsgebieten auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auf. Ihre Bestände werden daher nur zu einem Teil über die Zählgebietskulisse der Wasservogelzählung erfasst. Seit den 1980er-Jahren – und seit den 1990er-Jahren in fünfjährigem Turnus – werden deshalb internationale Synchronzählungen durchgeführt, um die Bestandsschätzungen auf internationaler Ebene für die Waterbird Population Estimates regelmäßig zu aktualisieren. Die Zählungen werden von der Swan Specialist Group von Wetlands International durchgeführt. Am 11./12. Januar 2020 steht nun eine weitere europaweite Erfassung der beiden gelbschnäbligen Schwanenarten an; in Deutschland fügen wir diesen den Höckerschwan hinzu.

Gute Abdeckung in Deutschland wichtig!

Singschwan

Singschwan Januar 2015 Verbreitung des Singschwans im Januar 2015 nach den Daten der int. Synchronzählung.
Bei der Zählung im Januar 2015 wurden in Deutschland 44.465 Singschwäne gezählt, auf deren Basis ein Bestand von 48.000 Ind. geschätzt wurde. Im Vergleich zur Synchronzählung 1995 hat sich der Bestand damit nahezu verdreifacht und den bis dato höchsten dokumentierten Wert erreicht.

Nach Angaben aus anderen europäischen Ländern lag der Bestand der nordwesteuropäischen biogeographischen Population bei 138.448 Singschwänen. Der Bestandsanteil Deutschlands von fast 30 % an der biogeographischen Population verdeutlicht, wie wichtig eine gute Abdeckung in Deutschland ist.

Zwergschwan

Zwergschwan Januar 2015 Verbreitung des Zwergschwans im Januar 2015 nach den Daten der int. Synchronzählung.
Von den Zwergschwänen wurden im Januar 2015 deutschlandweit 5.444 Ind. erfasst, woraus eine Schätzung von 5.600 Individuen abgeleitet wurde. Im Vergleich zu 1995 hatte sich der Januarbestand damit etwa verfünffacht. Neben einer generellen Verlagerung der Winterquartiere nach Nordosten dürfte hierfür vor allem die sehr milden Winter der letzten Jahre verantwortlich gewesen sein, da die Gesamtpopulation der in Nordwesteuropa überwinternden Zwergschwäne seit Mitte der 1990er-Jahre deutlich zurückgegangen ist. Im Rahmen der Januarzählung 2015 wurde nur noch ein Bestand von 20.149 Ind. gezählt. Der Bestandsrückgang setzte sich zumindest bis dahin also weiter fort. Das verdeutlicht, wie wichtig die Zählung im Januar ist!

Bitte auch Höckerschwäne erfassen!

Hoeckerschwan WVZ Januar Verbreitung des Höckerschwans im Januar 2015 nach den Daten der int. Synchronzählung.
Eine flächendeckende Erfassung der beiden gelbschnäbligen Schwanenarten ist mit einem hohen Aufwand verbunden. Da Höckerschwäne ebenfalls abseits von Stillgewässern rasten, zählen wir seit Januar 2015 auch diese mit, um so die Schätzung des Mittwinterrastbestandes zu präzisieren und ein exakteres Bild ihrer Verbreitung zu erhalten. Im Rahmen der ersten flächendeckenden Zählung im Januar 2015 konnten 74.931 Höckerschwäne in Deutschland gezählt werden. Obgleich Zwerg- und Singschwan im Fokus der Zählung stehen, möchten wir Sie darum bitten, auch abseits der bekannten Vorkommen dieser beiden Arten gezielt nach Schwänen zu suchen. Vor allem in der Umgebung größerer Stillgewässer und in den Niederungsgebieten der großen Flüsse halten sich Höckerschwäne gerne auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auf.

Eine Reihe weiterer Arten, allen voran Gänse, suchen ebenfalls in der Agrarlandschaft nach Nahrung. Sofern diese im Rahmen der „Schwanensuche“ entdeckt werden und es die zeitlichen Möglichkeiten zulassen, möchten wir Sie bitten, diese ebenfalls zu notieren. Diese ergänzenden Informationen tragen dazu bei, das Monitoring rastender Wasservögel in Deutschland zu verbessern.

Hauptziel bleibt jedoch, den Bestand von Sing- und Zwergschwan vollständig zu erfassen und einen möglichst guten Überblick über die Höckerschwan-Vorkommen zu erhalten!

Bitte Alter und Nahrungshabitate erfassen!

Hoeckerschwaene. Foto: G. Reichert Zwei adulte Höckerschwäne mit drei Jungvögeln. Bitte notieren Sie im Rahmen der Zählung das Nahrungshabitat (hier Grünland) sowie Alt- und Jungvögel getrennt, wenn möglich auch die Familiengröße.
Foto: G. Reichert
Im Januar 2015 wurden für 79 % der Sing- und 91 % der Zwergschwäne Angaben zum Alter übermittelt – Quoten, die in Europa ihresgleichen suchten! Mit 17,4 % (Singschwan) bzw. 10,1 % (Zwergschwan) wurden – im langjährigen Vergleich – unterdurchschnittliche Jungvogelanteile ermittelt.

Beim Singschwan reichte die Jungenanzahl je erfolgreicher Familie im Januar 2015 von einem bis maximal acht. Im Mittel lag der Jungvogelanzahl bei 3,0 Jungvögeln pro Familie.

Die Jungenanzahl je erfolgreicher Zwergschwanfamilie reichte im Januar 2015 von einem bis maximal fünf, das arithmetische Mittel lag bei 2,2 Jungvögeln.

Nahrungshabitat

Von den im Januar 2015 gezählten Singschwänen wurden 54 % einem Nahrungshabitat zugeordnet, bei den Zwergschwänen waren es sogar 80 %. Bei beiden Arten wurde Grünland als dominierendes Nahrungshabitat festgestellt. Rund 40% der Singschwäne und sogar 63 % der Zwergschwäne konnten im Grünland angetroffen werden.

Um diese gerade im langjährigen Vergleich wichtigen Informationen fortschreiben zu können, möchten wir Sie bitten, auch bei den Zählungen 2020 die Nahrungshabitate der einzelnen Trupps zu notieren und möglichst viele Schwäne nach Alter zu differenzieren. Vielen Dank!

Mitarbeiter gesucht!

Für ein solch ehrgeiziges Vorhaben werden viele Mitarbeiter benötigt. Über die Mitarbeiter an den Monitoringprogrammen (Wasservogelzählung, Monitoring Gänse und Schwäne, Rastvogelzählungen im Wattenmeer) alleine wird es nicht gelingen, alle Rastgebiete abzudecken. Vor allem in den nördlichen Bundesländern werden daher dringend zusätzliche Zähler gesucht. In einem kleinen Team lässt sich die Zählung hervorragend mit einer Beobachtungstour in eine vielleicht bislang unbekannte Gegend verbinden!

Wichtig: Wenn Sie erstmals an den Zählungen teilnehmen oder abseits Ihrer angestammten Zählgebiete nach Schwänen suchen möchten, nehmen Sie bitte VOR der Zählung Kontakt mit dem für Ihre Region zuständigen Koordinator auf. Vielen Dank! Interessante Beobachtungen, vor allem aber zählfreundliches Winterwetter und kooperative Schwäne wünschen Ihnen

 

Nikolas Prior, Axel Degen, Thomas Heinicke und Johannes Wahl Unter Mitarbeit erhalten Sie weitere Informationen.

Literatur

  • Beekman, J. et al. (2019): Long-term population trends and shifts in distribution of Bewick's Swans Cygnus columbianus bewickii wintering in northwest Europe. Wildfowl Special Issue 5: 73–102.
    icon downloadPDF [ 3143 kb ]
  • Laubek, B. et al. (2019): Whooper Swan Cygnus cygnus January population censuses for Northwest Mainland Europe, 1995–2015. Wildfowl Special Issue 5: 103–122. [PDF ]
  • Laubek, B., L. Nilsson, M. Wieloch, K. Koffijberg, C. Sudfeldt & A. Follestadt (1999): Distribution, numbers and habitat choice of the NW European Whooper Swan Cygnus cygnus population: results of an international census in January 1995. Vogelwelt 120: 141–154.
    icon downloadPDF [ 3775 kb ]
  • Prior, N. et al. (in Vorb.): Verbreitung, Rastbestand und Bestandsentwicklung von Höckerschwan Cygnus olor, Singschwan Cygnus cygnus und Zwergschwan Cygnus columbianus bewickii in Deutschland. Vogelwelt
  • Rees, E. C. & J. H. Beekman (2010): Northwest European Bewick’s Swans: a population in decline. British Birds 103: 640–650.
  • Wahl, J. & A. Degen (2009): Rastbestand und Verbreitung von Singschwan Cygnus cygnus und Zwergschwan C. bewickii im Winter 2004/05 in Deutschland. Vogelwelt 130: 1–24.
    icon downloadPDF [ 2864 kb ]

 

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