Methoden

Erfassung mittelhäufiger Arten im Rahmen von ADEBAR

 Neuntöter Neuntöter.
Foto: L. Ritzel.
Die Kartierungen für die Bestandsabschätzungen der sogenannten mittelhäufigen Arten mit in der Regel spezialisierten Lebensraumansprüchen macht die eigentliche Atlasarbeit aus. Diese Arten sind zu selten, um ihren Bestand und ihre Verbreitung über das gesamte Bundesgebiet verlässlich über die Probeflächen hochrechnen und zu häufig, um sie einzeln erfassen zu können.
Um die Bestände für die TK25 zu schätzen, kommt daher eine Methode zur Anwendung, die dieser Mittelstellung gerecht wird: einige, z.B. auf Gewässer beschränkte Arten werden recht genau, andere, wie z.B. mittelhäufige Siedlungsarten, über "Probeflächen" erfasst und anschließend für die TK25 oder den TK25-Quadranten "hochgeschätzt". Ziel ist es, mit möglicht geringem Aufwand möglichst zuverlässig die Bestände einer der folgenden Klassen zuordnen zu können:

1 BP, 2–3 BP, 4–7 BP, 8–20 BP, 21–50 BP, 51–150 BP, 151–400 BP, 401–1.000 BP, 1.001–3.000 BP, 3.001–8.000 BP, > 8.000 BP

Beispiel:
Sie kartieren die geeignetsten Flächen für Rebhühner und kommen auf diesen "Probeflächen" auf etwa 30 Reviere. Da in den restlichen Flächen maximal noch 10 Reviere hinzukommen, können Sie sicher sagen, dass es nicht mehr als 50 Reviere werden. Sie müssen daher keine Rebhühner mehr gezielt kartieren (obgleich Beobachtungen während der weiteren Kartierungen selbstverständlich notiert werden), da sie sicher der Klasse „21–50 BP“ zugeordnet werden können.
Bei vielen Arten wird man über ein gezieltes Aufsuchen der bekannten Vorkommen oder der geeignetsten Habitate zu einer verlässlichen Einstufung kommen. Zusätzliche Zeit sollte dann für Arten aufgewandt werden, bei denen man vermutet, dass man im Grenzbereich zweier Klassen landen wird. Es ist also sehr hilfreich, stets den Überblick über den aktuellen Stand der Kartierungen zu haben!
Daten aus Kartierungen rückwirkend bis ins Jahr 2000 können bei der Bestandsabschätzung berücksichtigt werden. Wurden zum Beispiel im Jahr 2002 im Rahmen der Kartierungen zum "Vogel des Jahres" Mauersegler erfasst, so kann auf diese Daten zurückgegriffen werden und es muss nicht noch einmal kartiert werden, wenn damit die sichere Einstufung in eine der Klassen möglich ist.

Die Feldarbeit

Beobachter Was kann es Schöneres geben, als an einem sonnigen Morgen für ADEBAR zu kartieren?
Foto: B. Hälterlein
Wer sich auf seiner TK25 oder seines TK25-Quadranten gut auskennt, spart Arbeit und kommt schneller zu einem oft auch besseren Ergebnis! Der Bearbeitung einer TK25 oder eines TK25-Quadranten sollte daher gut vorbereitet werden, indem man sich mit der Verteilung und Ausdehnung der Lebensraumtypen vertraut macht und versucht, im Hinblick auf die zu kartierenden Arten individuenreiche Gebiete zu identifizieren (z.B. durch Recherche). Hierzu empfehlen sich Vorexkursionen im Winterhalbjahr (während derer man auch z.B. Greifvogelhorste lokalisieren kann).
Die Kartierperiode beginnt jährlich im März und endet für die meisten Arten im Juni. Bei einzelnen Arten sind jedoch ergänzende Kontrollen ab Februar (Eulen) bzw. im Juli (Reiherente, Baumfalke, Wespenbussard, Sperber u.a.) anbieten. Für jede Art sind auf dem Erfassungsbogen Kriterien angegeben, aufgrund derer Beobachtungen als Revier zu werten sind. Es empfiehlt sich jedoch alle für eine spätere Bestandsabschätzung hilfreichen Beobachtungen in den Karten zu notieren. Auch von Arten, die nicht zu den bundesweit als mittelhäufig eingestuften zählen. Beispielsweise ist der Baumpieper in manchen Regionen so stark zurückgegangen, dass er als mittelhäufiger, teilweise sogar seltener Brutvogel eingestuft werden muss. Insbesondere bei Arten, bei denen man sich unsicher ist, ob sie auf der TK25 oder dem TK25-Quadranten brüten, sollten alle darauf hinweisenden Beobachtungen notiert werden, da am Ende der Erfassungen für alle Arten angegeben werden muss, ob sie als Brutvogel auftreten. Hochrechnungen der häufigen Arten erfolgen natürlich nur für TK25 oder TK25-Quadranten, auf denen die Art auch tatsächlich vorkommt.

Folgende Prioritätenliste sollte man daher während der Kartierungen beherzigen und seine Untersuchungsfläche nach folgenden Punkten "abarbeiten" (in dieser Reihenfolge):

  • Angaben zum qualitativen Vorkommen der Arten (ja/nein; "festgestellt" in der Spalte Brutvorkommen des Meldebogens),
  • möglichst sichere Einstufung möglichst vieler, vor allem aber der mittelhäufigen Vogelarten in die vorgegebenen Häufigkeitsklassen (falls Sie darüber hinaus die Bestandsklassen für weitere Arten angeben können, so ist das eine wertvolle Zusatzinformation, die uns helfen wird, die Aussagekraft der Kartierergebnisse zu erhöhen),
  • ggf. Angaben zum genauen Brutbestand einzelner Arten (nicht verpflichtend; Angaben in die Spalte Bemerkungen eintragen).

Wichtig ist es, sich nicht mit der genauen Bearbeitung eines attraktiven Gebietes "zu verzetteln", sondern möglichst viele Eindrücke von allen Landschaftsbestandteilen der TK25 oder dem TK25-Quadranten zu sammeln. Genauere Zählungen finden dann in den besonders artenreichen Lebensräumen statt. Dazu werden Routen in Wäldern (Schwerpunkt in Laub-Altholzbeständen), Siedlungen (v.a. Stadtkern, Gewerbegebiete, Häfen, Industriebrachen, Parks, Friedhöfe, Kleingärten, landwirtschaftlich geprägte Dörfer, Stadtgewässer), Grünland (feuchte Niederungen), Mooren und Heiden gewählt. Alle Stillgewässer und Sonderstandorte wie Kiesgruben werden annähernd vollständig kontrolliert. Die während der Kartierungen begangenen Routen werden in eine Karte eingetragen, um den Überblick über den Stand der Bearbeitung und zu schließende Lücken zu behalten.

Für die Bearbeitung einer durchschnittlichen TK25 sollten 60 bis 80 Stunden (verteilt auf ein oder zwei Jahre) eingeplant werden. Um auch für einen TK25-Quadranten verlässliche Klasseneinstufungen vornehmen zu können, muss man mit etwa der Hälfte an Bearbeitungszeit rechnen (und nicht etwa ein Viertel, wie meinen könnte!). Einige Bundesländer nutzen die Gelegenheit und wiederholen ältere Atlaskartierungen, die häufig auf TK25-Quadranten basieren.
icon download Ausschnitt aus dem Meldebogen [ 423 kb ]

Auswertung

Beispiel einer Kartierung Kartierrouten auf einem TK25-Quadranten mit Festellungen von Türkentauben.
Quelle: DDA.
In einer TK25 sollte nicht länger als zwei Jahre kartiert werden. Nach Abschluss der Kartierung werden zuerst die qualitativen Auswertungen durchgeführt und alle auf der TK festgestellten Brutvogelarten im Meldebogen angekreuzt. Als Kriterium für den Brutvogel-Status gelten artspezifisch vier verschiedene, im Meldebogen erläuterte Kriterien. Anschließend wird die Zahl der tatsächlich festgestellten Reviere der mittelhäufigen sowie weiterer bearbeiteter Arten eingetragen. Für die häufigen Arten sind Eintragungen nicht erforderlich, aber natürlich willkommen. Aus anderen Quellen bekannt gewordene, zusätzliche Vorkommen werden als recherchiert getrennt eingetragen. Zuletzt erfolgt für alle mittelhäufigen Arten eine Abschätzung der Bestandsgrößen für die TK25 oder den TK25-Quadranten in oben genannten Klassen. Kann der Bestand in einer engeren Spanne als in den Klassen angegeben werden, so sollte dies unter „Bemerkungen“ mitgeteilt werden. Abgegeben werden neben dem Meldebogen eine Karte, die die begangenen Routen dokumentiert, sowie eine Aufstellung des geleisteten Zeitaufwands.

Hinweise zur Erfassung und Kartierung

Detaillierte Hinweise zur Vorgehensweise während der Kartierungen mit speziellen Hinweisen zu einzelnen Arten sowie zur Auswertung (inkl. mehrerer Beispiele aus der Praxis) finden Sie hier:

Bitte starten Sie Kartierungen auf einer TK25 oder einem TK25-Quadranten niemals "auf eigene Faust", sondern kontaktieren Sie bei Interesse an einer Mitarbeit stets den zuständigen Landeskoordinator!

 

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