Rotmilan 2011/12

Kennzeichen

Tief gegabelter Schwanz und weißes Flügelfeld

Rotmilan (Ritzel) Typisch für den Rotmilan sind seine rostrote Färbung, der tief gegabelte Schwanz und das helle Flügelfeld. Foto: Lutz Ritzel.
Größe: 60—66 cm
Gewicht: 760—1.220 g
Flügelspannweite: 160—180 cm
Nahrung: Säuger, Vögel, Fische, Aas, Abfälle
Stimme: ähnlich Schwarzmilan "uu-wiuwiuwiu-wiuuuu" oder gedehnt pfeifend "wiuuu"



Ausführlichere (allerdings kostenpflichtige) Sequenzen finden Sie z.B. hier: Rotmilan, Schwarzmilan
Gelege: 2—3 Eier
Video: Rotmilan

Rotmilan (Ritzel) Ein eher braunes Gefieder und ein weniger stark gegabelter Schwanz unterscheiden den Schwarz- vom Rotmilan. Foto: Ralph Martin.
Rotmilan (Ritzel) Rohrweihen unterscheiden sich vor allem durch den glatt abgeschnittenen Schwanz. Foto: Mathias Putze.
Der Rotmilan hat lange, schlanke Flügel und einen recht langen, tief gegabelten Schwanz, den er häufig — besonders beim Segeln — dreht. Im Vergleich zum Schwarzmilan ist der Rotmilan schlanker, hat eine weniger abgerundete Hand und einen deutlich tiefer gegabelten Schwanz — ein Unterschied, der besonders hervortritt, wenn der Schwanz zusammengefaltet ist. Das Gefieder adulter Rotmilane ist anhand folgender Merkmale zu erkennen: Der Schwanz ist rostrot gefärbt, der Kopf ist grau gefärbt und deutlich heller als der Rest des Gefieders. Beim fliegenden Vogel erkennt man unterseits ein helles Feld auf den Handschwingen und auch oberseits ist ein helles Feld auf den mittleren Deckfedern zu sehen. Altvögel sind in der Regel im Bereich der Brust und des Bauches intensiver rotbraun gefärbt als die Jungvögel und zeigen hier dünne schwarze Strichel. Fliegende Jungvögel kann man u.a. anhand der hellen Unterschwanzdecken von den Altvögeln unterscheiden.

Verwechslungsgefahr besteht allenfalls zum Schwarzmilan, der ein eher einheitlich dunkelbraunes Gefieder und einen schwächer gegabelten Schwanz hat sowie mit der Rohrweihe, der jedoch die rötliche Färbung und der gegabelte Schwanz fehlen.

Rotmilan

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Schwarzmilan

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Rohrweihe

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Nestbau

Die Geschlechtsreife tritt bei Rotmilanen gegen Ende des zweiten bzw. des dritten Lebensjahres ein. Bei Populationen, die das ganze Jahr über im Brutgebiet oder in der Nähe verweilen, scheint die Anzahl der in Dauerehe lebenden Paare größer zu sein als bei ziehenden Populationen. Einige Paare verwenden denselben Horst Jahr für Jahr, während andere immer wieder neu bauen oder von Mäusebussarden oder Krähen gebaute Nester übernehmen. Rotmilanhorste stehen meistens hoch in Eichen, Buchen oder Kiefern und lassen sich in der Regel anhand des verbauten Mülls erkennen.

Brut und Aufzucht der Jungen

Das Weibchen bebrütet für gewöhnlich 38 Tage lang ein bei Rotmilanen häufig vorkommendes 3er-Gelege. Normalerweise brütet das Weibchen allein, es kann aber unter Umständen vom Männchen abgelöst werden. Nach dem Schlupf versorgt das Männchen etwa zwei Wochen lang sowohl den Nachwuchs als auch das Weibchen, das sich erst danach an der Beschaffung von Futter beteiligt. In der Regel sind die Jungen mit einem Alter von 48 bis 50 Tagen flugfähig. Allerdings ist die Dauer der Nestlingsphase stark abhängig vom aktuellen Nahrungsangebot.

Nahrung

Rotmilan (Ritzel) Zum Nahrungsspektrum des Rotmilans zählt häufig auch Aas. Foto: Mathias Putze.
Rotmilane jagen in charakteristischer Weise in tiefem Suchflug über offenem Gelände oder seltener auch Wasserflächen. Die Beute ist sehr vielseitig und richtet sich nach dem Angebot. Im Allgemeinen ernähren sich die Tiere von kleinen Säugetieren, Amphibien und Reptilien, der Greifvogel ist aber auch ein ausgesprochener Aasfresser, der an Straßen und anderen Verkehrswegen Ausschau nach Kollisionsopfern hält.

Verbreitung und Lebensraum

Ein echter Europäer

Das Verbreitungsgebiet des Rotmilans erstreckt sich im Wesentlichen über das gemäßigte Mittel- und Osteuropa. Es reicht von den Britischen Inseln bis nach Weißrussland und von Südschweden bis nach Nordafrika. Ihren Verbreitungsschwerpunkt hat die Art in Spanien, Frankreich und vor allem Deutschland, wo die höchsten Siedlungsdichten in Sachsen-Anhalt und Hessen erreicht werden. Die meisten Rotmilane aus unseren Breiten überwintern in Spanien und Frankreich. Infolge der milderen Winter hat sich in den letzten Jahren jedoch zunehmend ein Teil nicht ziehender oder zumindest in der Nähe des Brutplatzes überwinternder Vögel entwickelt.

Charaktervogel strukturreicher Landschaften

Rotmilan (Ritzel) Blick in eine typische Rotmilan-Landschaft, für die ­häufige Wechsel von Wäldern, Gehölzen, Grünland- und Ackerflächen charakteristisch sind. Foto: Johannes Wahl.
Der Rotmilan besiedelt bevorzugt eine abwechslungsreiche, hügelige Kulturlandschaft mit Wäldern und kleineren Still- und Fließgewässern. Im Gegensatz zum Schwarzmilan ist der Rotmilan kaum an Gewässer gebunden. Er brütet auch in trockenen, hügeligen bis bergigen Gegenden bis etwa 800 Meter über dem Meeresspiegel. Größere, geschlossene Waldgebiete meidet der Rotmilan, während er in den vergleichsweise strukturarmen Ackergebieten Ostdeutschlands (Börden) besonders hohe Dichten erreicht, sofern geeignete Brutplätze vorhanden sind.

Bestand — mehr als die Hälfte brütet in Deutschland

Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts setzte ein gewaltiger Bestandsrückgang des Rotmilans ein, der im Wesentlichen durch die bessere Hygiene des Menschen und einer damit einhergehenden Nahrungsverknappung für den Rotmilan ausgelöst wurde. Die direkte Verfolgung durch den Menschen beschleunigte diesen Vorgang und führte zum regionalen Erlöschen des Rotmilans in Mitteleuropa. Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren aber wieder viele der zuvor aufgegebenen Gebiete neu besiedelt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte ein starker Bestandszuwachs ein, mit einem maximalen Bestand zu Beginn/Mitte der 1990er Jahre. Seitdem ist der Bestand um etwa 30 % zurückgegangen, im nördlichen Harzvorland — dem Dichtezentrum der Art — sogar um die Hälfte zusammengebrochen. Heute brüten in Deutschland etwa 10.000 bis 14.000 Paare.