Der DDA ist der Zusammenschluss aller landesweiten und regionalen ornithologischen Verbände in Deutschland.
Er vertritt damit etwa 8.000–9.000 Feldornithologen und Vogelbeobachter.
13.01.2012
Internationale Mittwinter- und Gänsezählung 2012
Die am häufigsten erfasste und in nahezu allen Zählgebieten angetroffene Vogelart ist die Stockente. Quelle: Mathias Putze
Am Wochenende 14./15. Januar schultern wieder viele Tausend Beobachter weltweit die Spektive, um im Rahmen des von Wetlands International organisierten International Waterbird Census (IWC) Wasservögel zu erfassen. Seit mit dem Winter 1966/67 die Zählungen auf eine neue organisatorische Basis gestellt wurden, werden alljährlich Mitte Januar in mehr als 25.000 Gebieten in über 100 Ländern auf allen Kontinenten die Wasservögel gezählt. Eine herausragende ehrenamtliche Gemeinschaftsleistung, die weltweit vermutlich ihresgleichen sucht. Mit über 2.000 Mitarbeitern alleine in Deutschland ist die Wasservogelzählung auch hierzulande das umfangreichste Erfassungsprogramm in der Vogelwelt. [mehr] Wasservögel überbrücken auf ihren Zugwegen jedes Jahr tausende von Kilometern zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten. Der IWC ist eine wichtige Informationsquelle, bei der es nicht nur im die Schätzung der Populationsgrößen der Wasservögel geht. Die internationalen Synchronzählungen helfen auch dabei, Bestandsveränderungen und Verschiebungen der Rast- und Überwinterungsgebiete zu erkennen und deren Ursachen zu verstehen. Durch die gewonnenen Ergebnisse lässt sich das Wissen über Wasservogelarten und Feuchtgebiete verbessern, das die Grundlage für deren Schutz darstellt. Die Zählungen geben Auskunft über den Erhaltungszustand der Wasservogelarten und helfen, das Bewusstsein für die Bedeutung der Wasservögel und ihrer Feuchtgebiete auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu erhöhen.
Im Oktober 2011 ging im Rahmen der Mitgliederversammlung des DDA das neue bundesweite Internetportal zur Sammlung von Vogelbeobachtungen ornitho.de an den Start. Seitdem hat das Portal einen ungeahnten Zuspruch erhalten. Die rege Meldetätigkeit, die vielfach auch die vergangene Monate und Jahre einschließt, und die kontinuierlich wachsenden Anmeldezahlen führen bereits nach wenigen Wochen Laufzeit zu faszinierenden Einblicken in das aktuelle vogelkundliche Geschehen. Auch unter den Wasservogelarten lassen sich bereits sehr interessante Entwicklungen kartographisch darstellen. Die Nilgans hat sich wie keine andere Art in den letzten Jahren von den Niederlanden und dem Niederrhein ausgehend nach Süden und Osten ausgebreitet. Die aktuelle Verbreitungsgrenze nach Osten etwa bis zur Elbe tritt anhand der Nachweise aus dem Herbst und Winter deutlich zutage. Südwärts ist sie im Rheintal, entlang des Neckars sowie entlang des Mains vorgedrungen. Südlich bzw. östlich macht sie sich zumindest derzeit noch rar. Eine laufend aktualisierte Verbreitungskarte nach den Beobachtungen seit Januar 2011 finden Sie bei ornitho.de unter: http://www.ornitho.de/index.php?m_id=30016
Wir würden uns freuen, wenn Sie dazu beitragen, das Bild dieser und aller weiteren Vogelarten zu vervollständigen und Ihre Beobachtungen bei ornitho.de eingeben würden. Auch die Daten Ihrer Wasservogelzählung — oder auch nur die "Highlights" — können Sie sehr gerne dort eingeben. Alle etablierten MitarbeiterInnen an den Wasservogelzählungen möchten wir aber darauf hinweisen, dass die Eingabe in das Portal ausdrücklich nicht die gewohnte Meldung an die zuständigen Koordinatoren ersetzt!
Wir bitten alle Wasservogelzähler außerdem um Beachtung einer aktuellen Studie zum Zugverhalten der Pfeifente. Im Januar 2012, vorrangig vom 11. bis 25. Januar (um den Effekt von Zugbewegungen zu minimieren), sollen soweit möglich Alters- und Geschlechterverhältnisse von Pfeifenten notiert und in ornitho.de eingetragen werden. Auch das Rasthabitat ist von Interesse. Näheres zur Erfassung und Eintragung der Beobachtung finden Sie auf der Startseite von ornitho.de.
Grundsätzlich steht das Erfassungsprogramm der rastenden Wasservögel allen Interessierten offen – unabhängig davon, ob international, national oder lokal bedeutende Gebiete regelmäßig erfasst werden. Es sei ergänzend darauf hingewiesen, dass trotz der hohen Mitarbeiterzahl noch immer kleine Lücken in der Erfassung überregional bedeutender Rast- und Überwinterungsplätze bestehen.
Großer Dank für die Beteiligung am diesjährigen International Waterbird Census gebührt schon jetzt den meist ehrenamtlich tätigen MitarbeiterInnen. Insbesondere sei auch den RegionalkoordinatorInnen für die unkomplizierte und allzeit hilfsbereite Zusammenarbeit gedankt. Ohne deren – auch zumeist ehrenamtliches – Engagement wären Aufbau und Unterhaltung einer derart umfangreichen Datensammlung nicht möglich gewesen.
Wir wünschen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei den hervorragend vorhergesagten Beobachtungsbedingungen am kommenden Wochenende viel Erfolg bei der Erfassung der Wasservögel!
Online-Version der Ornithologischen Schriftenschau Quelle: DDA
Nach langer Arbeit ist nun die Online-Fassung der Ornithologischen Schriftenschau gestartet worden. Viel Zeit wurde investiert, es wurde diskutiert, entwickelt und gefeilt, aber jetzt ist sie da und löst damit die bekannten grünen Hefte ab, die von 1972 – 2009 in insgesamt 137 Ausgaben erschienen sind und vielen Avifaunisten erst einen Zugang zur nationalen und internationalen vogelkundlichen Literatur geöffnet haben. Da die gedruckten Hefte aber letztlich keine Möglichkeiten einer gezielten Suche nach bestimmten Literaturstellen erlaubte, verlor die OS zunehmend an Attraktivität. [mehr] Mit der Online-OS verfügen wir nun über ein zeitgemäßes Medium, das perspektivisch eine wichtige Quelle bei der Suche nach ornithologischer Literatur sein wird, insbesondere nach solchen Zeitschriftenbeiträgen, die in den großen internationalen Literaturdatenbanken nicht erfasst sind. Wir wollen daher versuchen, mit der Online-OS vor allem die avifaunistische Literatur Mitteleuropas und insbesondere des deutschsprachigen Raumes abzudecken.
Die Online-OS ermöglicht den Referenten von Zeitschriften eine komfortable Eingabe von bibliografischen Angaben und Referaten und bietet den Nutzern hervorragende Suchmöglichkeiten nach Autoren, Arten, Regionen und als Neuerung bei der OS auch nach Schlagwörtern sowie eine Freitext-Suche. So aufgefundene Literaturzitate können selektiert und nachfolgend in verschiedensten Formaten exportiert werden.
Und das Beste daran: dieser Service steht den angemeldeten Nutzern kostenlos zur Verfügung!
Aktuell sind knapp 7000 Referate in der täglich wachsenden online-Datenbank verzeichnet. Darunter sind alte, bereits in OS-Heften erschienene Referate, aber auch zahlreiche seit dem 31.10.11 eingegebene Literaturstellen, die wir insbesondere der fleißigen Arbeit von H. Engler, J. Berg, S. Klemp und K. Witt verdanken, die das neue Medium sofort gut angenommen haben.
Für die nähere Zukunft ist auch die Einspeisung aller bereits auf Datenträgern vorhandenen älteren OS-Hefte in die Online-Datenbank geplant. Dies gestaltet sich allerdings nicht so einfach wie gehofft. Daher ist hier die Mitarbeit von Freiwilligen höchst willkommen. Wer Interesse daran hat, das Projekt Online-OS durch die Bearbeitung der Textdateien älterer OS-Hefte zu unterstützen, wende sich bitte an
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Ganz entscheidend hängt der Erfolg der Online-OS aber von der tatkräftigen Mitarbeit bisheriger sowie auch neuer Referenten ab. Sie sollten möglichst schnell die jeweils neuen Hefte der von ihnen bearbeiteten Zeitschriften besprechen und versuchen, bestehende Rückstände aufzuarbeiten.
Hier sollten zukünftig verstärkt die Vorteile der modernen Technik genutzt werden. Alle Zeitschriften werden heute am PC erstellt. Es bietet sich geradezu an, entsprechende Textteile für die Online-OS herauszukopieren und in die Eingabemaske der OS einzufügen.
Die Referenten der Zeitschriften sollten sich hierzu mit den jeweiligen Herausgebern oder Schriftleitern in Verbindung setzen.
Wer Interesse hat, die Online-OS durch Übernahme einer derzeit nicht referierten Zeitschrift zu unterstützen, wende sich bitte an .
Ein kleiner Wermutstropfen hat sich jedoch mit untergemischt: Die ursprünglich geplante Druckfassung der OS wird es nicht geben. Die veranschlagten Kosten dafür würden aufgrund der gesunkenen Abonnentenzahlen deutlich über den Einnahmen liegen. Die DDA-Mitgliederversammlung hat daher beschlossen, auf eine Printfassung zu verzichten. Wir wollen aber allen Nicht-Computernutzern das Angebot machen, die jeweils neu eingetragenen Referate quartalsweise ausgedruckt zum Selbstkostenpreis (Druckkosten, Porto) zur Verfügung zu stellen. Dieser hängt natürlich ganz entscheidend vom Umfang neu eingetragener Referate ab. Interessenten am regelmäßigen Bezug der OS-Ausdrucke wenden sich bitte an
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An der Erstellung der Online-OS waren in den letzten Jahren inhaltlich insbesondere J. Wittenberg, R. Holz und J. Wahl beteiligt, die technische Umsetzung lag bei
. Ihnen allen sei herzlich gedankt. Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft unterstützte den Aufbau der Online-OS finanziell. Auch dafür herzlichen Dank.
Bitte um Mitarbeit: Europaweite Studie zur Alters- / Geschlechterverteilung bei der Pfeifente
Auf dem Durchzug und im Winter sind Pfeifenten in großer Zahl auch in Mitteleuropa zu beobachten. Quelle: Hans Glader
Bei vielen Entenarten ziehen die Weibchen weiter nach Süden als die Männchen. Dadurch kommt es zu räumlichen Unterschieden im Geschlechterverhältnis in überwinternden Trupps. Zudem deuten Daten aus Frankreich darauf hin, dass bei Pfeifenten Jungvögel weiter ziehen als Altvögel.
Folgende Hypothesen werden hierfür diskutiert:
Die kleineren Weibchen sind schlechter an raue Wetterlagen angepasst und weichen daher weiter nach Süden aus.
Die Männchen überwintern möglichst nahe an den Brutgebieten, um möglichst frühzeitig zurückkehren und somit die besten Brutplätze besetzen zu können.
Die Dominanz der Männchen gegenüber den Weibchen bei der Nahrungsaufnahme zwingt letztere zum Ausweichen in südlichere Gebiete.
Vorläufige Untersuchungsergebnisse des Geschlechterverhältnisses in Tafelenten-Trupps stützen die Dominanz-Hypothese, allerdings wurde die Verteilung der Altersklassen und Geschlechter bei anderen Entenarten bisher noch nicht großräumig untersucht. Für die Pfeifente soll das nun in einer europaweiten Studie von Tony Fox und Carl Mitchell (Universität Aarhus) näher untersucht werden, die wir gerne unterstützen. [mehr] Wir möchten Sie daher bitten im Januar 2012, vorrangig vom 11. bis 25. Januar (um den Effekt von Zugbewegungen zu minimieren), soweit möglich Alters- und Geschlechterverhältnisse von Pfeifenten zu notieren und in ornitho.de einzutragen. Bei großen Trupps sind auch Stichproben sehr willkommen. Melden Sie dann bitte unter "Anzahl" den gesamten Trupp und bei den Detailangaben die nach Alter- / Geschlecht differenzierten Individuen. Neben den Standardangaben ist vor allem das Rasthabitat von Interesse. Bitte melden Sie alle Daten punktgenau, d.h. als "Beobachtung mit exakter Lokalisierung".
Wenn Sie in einem größeren Trupp eine stichprobenartige Auszählung vornehmen, dann gehen Sie am besten "Vogel für Vogel" vor und ordnen jedem Vogel eine der folgenden fünf Kategorien zu (z.B. mit Hilfe einer Strichliste in einer kleinen Tabelle im Notizbuch):
junges Männchen( Abb. 2 in der Bestimmungshilfe). Bitte beachten: Jungvögel sind ab Januar als 2. KJ einzutragen!
Männchen, Alter unbestimmt
Weibchen (Abb. 3 in der Bestimmungshilfe; eine Altersdifferenzierung ist hier nicht möglich)
Unbestimmt (z.B. mausernde Vögel, bei denen das Geschlecht nicht sicher bestimmt werden konnte). Bitte beachten: Diese können Sie nicht in die Detailangaben in ornitho eintragen. Bitte beschränken Sie diese Angaben auf die nach Alter- / Geschlecht differenzierten Individuen.
Bitte wählen Sie Stichproben aus allen Teilen des Trupps (also z.B. nicht nur Vögel am Rand des Trupps). Es sollte auch immer die Gesamtzahl eines Trupps (bei großen Trupps reicht eine Schätzung) registriert werden, um einen möglichen Effekt von Truppgrößen auf das Alters- und Geschlechterverhältnis feststellen zu können.
Wichtig: Vermeiden Sie Doppelzählungen! Wird z.B. ein grasender Trupp gestört und fliegt zurück ins Wasser, beginnen Sie bitte von vorne oder nehmen Sie nur die bis dahin ausgezählten Vögel. Werden mehrere klar von einander abgrenzbare Trupps ausgezählt, sollten die Ergebnisse für jeden einzelnen Trupp getrennt notiert und diese separat (punktgenau) in ornitho eingetragen werden. So lässt sich abschätzen, wie sich die Verhältnisse verschiedener Trupps in einem Gebiet unterscheiden.
Sobald Ergebnisse vorliegen, werden wir hier darüber berichten.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung sagt im Namen von Tony Fox und Carl Mitchell
Hoch dotierter Fotowettbewerb "HBW World Bird Photo Contest" gestartet
Quelle: Lynx Edicions
Lynx Edicions, der Herausgeber des bekannten Handbook of Birds of the World (HBW) und der Internet Bird Collection (IBC) hat erstmalig den Fotowettbewerb "HBW World Bird Photo" mit wertvollen Preisen für die Gewinner ins Leben gerufen. Den Sieger erwartet ein Preisgeld von 10.000 US-Dollar. Bis zum 26. März 2012 können pro Teilnehmer bis zu acht Bilder kostenlos unter www.hbwcontest.com eingereicht werden. „Der Wettbewerb wurde mit dem Anspruch ins Leben gerufen, der wichtigste Wettbewerb für Vogelfotografie auf internationaler Ebene zu werden und die Vogelfotografie und -beobachtung zu fördern“, so Josep del Hoyo, Chefredakteur der HBW-Reihe. Der Wettbewerb hat das Ziel, das Wissen über Vögel zu verbreiten und gleichzeitig die Kreativität in der Kunst der Fotografie zu steigern. Fotografie mit dem nötigen Respekt für die Erhaltung der Vogelarten und ihrer Lebensräume wird dabei vorausgesetzt. Auch unnötige digitale Bildbearbeitungen sollen vermieden werden.
Eine international renommierte Jury aus Foto- und Vogelexperten wird die Bilder auf technisches Können, Vielfalt, Originalität und Kreativität bewerten. [mehr] Die Jury wird von Kathy Moran (Chefredakteurin des "National Geographic", USA), Ian Lewington (Vogelmaler, Großbritannien), Peter Johan Schei (Vorsitzender des globalen Rates von BirdLife International, Norwegen), Charlie Moores (Vogel-Internet-Blogger, Großbritannien), Andrés Bosso (Geschäftsführer von Aves Argentina / BirdLife Argentinien), John Fitzpatrick (Direktor des Cornell Lab of Ornithology, USA) und Günter Ziesler (Vogelfotograf, Deutschland). Josep del Hoyo (Chefredakteur des HBW, Spanien) wird als Sekretär der Jury fungieren.
Die Jury wählt 3 Gewinner, 10 ehrenvolle Erwähnungen sowie 5 Spezialpreis aus, die am 18. Mai 2012 bekannt gegeben werden. Der Wettbewerb bietet die Chance auf folgende Gewinne: Erster Preis: 10.000 US-Dollar, Zweiter Preis: ein komplettes Set von 16 HBW-Bänden, Dritter Preis: 8 HBW Bände; 10 Preise für Ehrenvolle Erwähnungen: 1 Band des HBW pro Gewinner; 4 Spezailpreise in den Kategorien "Bestes Kompaktkamerafoto", "Bestes Digiscopingfoto", "Bestes Foto einer gefährdeten Vogelart" und "Siegerfoto aus einer öffentlichen Onlineabstimmung": 4 HBW-Bände pro Gewinner der einzelnen Kategorien.
VDE-Anwendungsregel "Vogelschutz an Mittelspannungsfreileitungen" in Kraft getreten
Greifvögel und Eulen nutzen Freileitungsmasten häufig als Ansitz, bestimmte Masttypen bergen für sie ein tödliches Risiko. Quelle: Christoph Moning
Am 01. August 2011 ist die neue VDE-Anwendungsregel "Vogelschutz an Mittelspannungsfreileitungen" in Kraft getreten. "VDE-AR-N 4210-11" ist ihre offizielle Bezeichnung. Kurz vor dem Ablauf der zehnjährigen Frist nach § 41 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG, "Vogelschutz an Energiefreileitungen") am Ende des Jahres 2012 regelt sie endlich genau und für alle Netzbetreiber verbindlich, welche Mastkopf-Konstruktionen bzw. Sicherungsmaßnahmen als vogelsicher anzusehen sind und welche nicht. Eine Projektgruppe mit insgesamt zehn Vertretern der Energieversorgungsunternehmen, der Hersteller von Sicherungsausrüstungen, des Bundesumweltministeriums, der Länderfachbehörden für Naturschutz, der Vogelschutzwarten und der Naturschutzverbände hatte seit Herbst 2009 die Grundlagen für die neue Regel erarbeitet, denn das BNatSchG macht keine Angaben, wie der Vogelschutz an Mittelspannungsmasten technisch realisiert werden soll. Der seit 1991 geltende VDEW-Maßnahmenkatalog "Vogelschutz an Freileitungen" war mittlerweile durch neue Erkenntnisse überholt. [mehr] Die neue Anwendungsregel enthält nun konkrete und verbesserte Vorgaben für den Neubau von Mittelspannungsleitungen sowie für die Nachrüstung bestehender Masten. Aufgenommen wurden nur solche Maßnahmen, die sowohl von Netzbetreibern als auch von Naturschützern als wirksam eingestuft werden. Dazu gehört beispielsweise, dass Abspannisolatoren mindestens 60 cm Isolationsstrecke aufweisen müssen, dass bei Neubauten 2,4 m Phasenabstand (gegenüber vorher 1,4 m) einzuhalten sind und dass auch Trafo-Turmstationen zu sichern sind. Als neue Kategorie wurden Isoliermasten eingeführt, bei denen Mastkopf bzw. Traverse dauerhaft isoliert sind. Mastschalter dürfen bei neuen Masten nur noch unterhalb der Querträger angeordnet sein. Büschelabweiser sind nur noch ausnahmsweise bei der Nachrüstung zu verwenden. Einige Wünsche der Naturschutzseite sind offen geblieben. So müssen selbst lange zurückliegende, aber nachweislich untaugliche Umrüstungen auch dann nicht nachgebessert werden, wenn ohnehin Arbeiten am Mast ausgeführt werden. Auch die Erdverkabelung, mit der gleichzeitig das Kollisionsrisiko an Freileitungen auf Null reduziert werden könnte, ist nicht Gegenstand der VDE-Anwendungsregel.
Was bleibt an Arbeit für den haupt- und ehrenamtlichen Vogelschutz? Der wichtigste Punkt ist die Überwachung der vollständigen und fristgemäßen Umsetzung des § 41 BNatSchG. Seitens der Fachgruppen und Regionalverbände kann dies auf regionaler Ebene erfolgen. Eine Orientierung bietet ein aktueller Artikel von Stefan Brücher im Eulenrundblick Nr. 61, in welchem gut illustriert ist, welche Konstruktionen ungeeignet und nicht länger zugelassen sind. Solche Masten sollten darüber hinaus immer wieder auf darunter liegende Stromopfer kontrolliert werden, denn damit lässt sich am ehesten die Untauglichkeit von Sicherungsmaßnahmen belegen und Nachbesserung erwirken. Alle Funde sollten gut dokumentiert und in den Ländern an zentraler Stelle gesammelt werden, z. B. bei den Staatlichen Vogelschutzwarten. Ggf. lassen sich auch postmortale Untersuchungen arrangieren, um den Befund "Stromschlag" zu erhärten.
Die VDE-Anwendungsregel kann bestellt werden beim VDE-Verlag GmbH, Postfach 120143, 10591 Berlin.
Einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches Jahr!
Quelle: Christopher Schmidt
Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
zum Jahreswechsel möchten wir uns bei allen bedanken, die uns auch 2011 wieder so zahlreich unterstützt haben, insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Monitoringprogrammen, zu denen sich inzwischen die vielen tausend begeisterten Vogelbeobachter unseres Online-Angebotes ornitho.de gesellen, sowie allen landesweiten Fachverbänden, den vielen regionalen Arbeitsgemeinschaften, den Avifaunistischen Kommissionen sowie den Staatlichen Vogelschutzwarten und dem Bundesamt für Naturschutz. Vor allem das enorme ehrenamtliche Engagement hat es uns ermöglicht, unsere ambitionierten Vorhaben und Projekte zum Schutz der heimischen Artenvielfalt voranzutreiben, so dass auch 2011 für den DDA erneut ein sehr erfolgreiches Jahr war. [mehr] Ornitho.de hat einen furiosen Start hingelegt: Seit der Freischaltung des neuen Online-Angebotes wurden über 300.000 Beobachtungen gemeldet! Dass der in diesem Ausmaß überraschend große Zuspruch ungebrochen anhält, ist insbesondere auch Verdienst der mehr als 300 Regionalkoordinatoren, die einen großen Beitrag zur Qualitätskontrolle leisten, sowie des von uns beauftragten Programmentwicklers Gaëtan Delaloye, der dafür sorgt, dass ornitho.de reibungslos und zuverlässig schon heute viele Wünsche der Nutzer bestens befriedigt. Schauen Sie doch mal rein und machen Sie mit!
"Vögel in Deutschland 2010" befasste sich anlässlich der 10. Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitäts-Konvention, die vom 18. bis 29. Oktober 2010 in Nagoya, Japan, abgehalten wurde, mit den neuen strategischen Zielen Konvention. Die mediale Resonanz war sehr groß und — angesichts der teilweise schwer vermittelbaren Thematik — ausgesprochen positiv. "Vögel in Deutschland 2011" wird sich mit dem Schutz mausernder, rastender und überwinternder Wasservögel befassen und im Februar 2012 ausgeliefert werden.
Dann wird auch die rund 250 Seiten starke Publikation Vogelmonitoring in Deutschland — Programme und Anwendungen in der Schriftenreihe "Naturschutz und Biologische Vielfalt" des Bundesamtes für Naturschutz erhältlich sein, die sich inzwischen im Druck befindet. Wesentliche Themen dieses Werkes befassen sich mit der Weiterentwicklung der Vogelmonitoringprogramme. Die Publikation soll den Mitarbeiter/innen, insbesondere aber den Koordinationsstellen der Monitoringprogramme auf lokaler, regionaler und landesweiter Ebene grundlegende Informationen über die derzeitigen Methoden, Konzepte, Anwendungsgebiete und Auswertungsmöglichkeiten geben.
Die bundesweite Rotmilankartierung ist sehr erfolgreich angelaufen. Sie wird 2012 fortgesetzt und wir hoffen darauf, dass sich noch viele Mitstreiter für die Teilnahme an diesem wichtigen Projekt, mit dem die Grundlagen für den langfristigen Schutz einer Vogelart geschaffen werden sollen, für deren Erhaltung Deutschland weltweit die größte Verantwortung trägt.
Der Zuspruch zum bundesweiten Birdrace hält ungebremst an. An der alljährlich am ersten Samstag im Mai stattfindenden Veranstaltung beteiligen sich inzwischen mehr als 150 Teams mit knapp 600 Personen. Rund 20.000 Euro wurden im Rahmen des Birdrace für gemeinnützige Zwecke gesammelt; seit dem Start im Jahre 2004 sind es über 120.000 Euro, die ADEBAR und der Entwicklung von ornitho.de zuflossen.
Einziger kleiner Wermutstropfen: Der Abschluss des ADEBAR-Projektes (Atlas deutscher Brutvogelarten) musste um ein Jahr auf Ende 2012 verschoben werden, da die Kontrolle und Nachbearbeitung der immensen Datenberge doch länger Zeit in Anspruch nahm, als vorauszusehen war. Dieser Entschluss fiel uns nicht leicht, doch wollten und sollten wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren, die hohen Qualitätsstandards, die wir an die Kartierungen gelegt haben, auch bei der Auswertung anzulegen.
2012 wird allein schon deshalb ein spannendes Jahr. Aber wir dürfen uns trotz der tollen Erfolge beim Auf- und Ausbau des Vogelmonitorings sowie des glänzenden Starts von ornitho.de nicht zurücklehnen. So wollen wir unsere Bemühungen nochmals verstärken, den anhaltenden Verlust der heimischen Artenvielfalt zu stoppen. Keine andere Vogelartengruppe war in den letzten Jahrzehnten in Deutschland von so starken und anhaltenden Bestandsrückgängen betroffen wie die Vögel der Agrarlandschaft. Besonders dramatisch: Seit einigen Jahren verschärft der Wegfall der EU-Flächenstilllegungen und der zunehmende Energiepflanzenanbau diese Entwicklung sprunghaft! Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen geben kaum Hoffnung auf Entspannung der Situation. Vor diesem Hintergrund erarbeiteten die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft und der DDA ein Positionspapier zur aktuellen Bestandssituation der Vögel in der Agrarlandschaft.
Um unsere Mitgliedsorganisationen, Naturschutzverbände und -behörden mit seriösen, belastbaren Datengrundlagen versorgen und der Natur ein unabhängiger Anwalt sein zu können, sind wir weiterhin auf Ihre Unterstützung angewiesen, sei es durch Ihr Engagement im Vogelmonitoring oder durch eine Spende, mit der Sie unsere Projekte und Vorhaben unterstützen. Hier sei an die Aktion ADEBAR-Pate erinnert, die wir ebenfalls verlängert haben.
Wir wünschen Ihnen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr und viele schöne Momente beim Ausüben des schönsten Hobbys der Welt!
Im Namen des Vorstandes und der Mitarbeiter des DDA
Bernd Hälterlein und Christoph Sudfeldt
[weniger anzeigen]
22.12.2011
Jahresbericht 2010 zum Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt erschienen
Jahresbericht 2010 zum Vogelmonitoring Sachsen-Anhalt Quelle: VSW Sachsen-Anhalt
Zum achten Mal hat die Staatliche Vogelschutzwarte Sachsen-Anhalt in Steckby in Zusammenarbeit mit dem Ornithologenverband Sachsen-Anhalt einen Jahresbericht zum Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt herausgegeben.
Eingeleitet wird der Bericht mit der traditionellen Übersicht über das Vorkommen ausgewählter (meist seltener) Brutvogelarten im Lande. Die Vorkommen von über 60 Arten werden detailliert tabellarisch, auf Verbreitungskarten oder mit Bestandstrends dargestellt. So konnten die Vogelkundler des Landes im Jahr 2010 mit 35 Revierpaaren (davon 32 Brutpaare) den höchsten je ermittelten Brutbestand des Seeadlers kartieren. Auch dem Weißstorch ging es mit 574 Paaren recht gut, während der Schwarzstorch sowohl hinsichtlich des Bestandes als auch im Bruterfolg in den letzten Jahren Anlass zur Sorge gibt. Neue Höchstbestände wurden bei einigen Arten erreicht, die aktuell Gegenstand landesweiter Erfassungen waren. Ebenfalls gute Bestände wurden von Trauerseeschwalbe und Flussseeschwalbe erfasst. Dies konnte aber nur durch intensives ehrenamtliches Engagement einiger Vogelschützer erreicht werden, die für diese Arten seit Jahren Nisthilfen ausbringen. Auch der Wiedehopfbestand profitiert vom Angebot von Nisthilfen und zeigt lokal deutliche Zunahmen. Der Bienenfresser, der in Sachsen-Anhalt sein größtes Vorkommen in Deutschland hat, verfehlte im Jahr 2010 nur knapp die Marke von 500 Brutpaaren. Sorgenkinder sind auch in Sachsen-Anhalt die Wiesenbrüter. Erstmals wurde im Berichtsjahr kein Uferschnepfen-Revier im Land erfasst. [mehr] Der nächste Bericht widmet sich den wertgebenden Brutvogelarten im FFH-Gebiet Elbaue zwischen Saalemündung und Magdeburg im Jahr 2010. In dem fast 6.600 ha großen Gebiet wurden immerhin 123 Reviere vom Mittelspecht, 194 Reviere von Neuntöter und 97 Reviere der Sperbergrasmücke kartiert. Mit 3 Revieren kamen immerhin 8 % des damals bekannten Landesbestandes der Zwergdommel im Gebiet vor, aber auch je 10 % aller Flussuferläufer und aller Drosselrohrsänger.
Der landesweiten Erfassung des Blaukehlchens widmet sich der nächste Beitrag. Im Rahmen dieser von der Vogelschutzwarte mit europäischen Fördermitteln beauftragten Kartierung wurden landesweit nahezu alle bisher bekannten und weitere potenzielle Brutgebiete nach Blaukehlchen abgesucht. Dabei wurden 200 Reviere ermittelt, was dem Doppelten der bisherigen Landesschätzung entspricht. Ein Großteil der Blaukehlchen brütet in Sekundärlebensräumen (verschiedene Grubengewässer), die bislang unzureichend in die Schutzgebietskulisse integriert sind.
Auch Raufuß- und Sperlingskauz wurden 2010 landesweit in nahezu allen geeignet erscheinenden Waldgebieten kartiert. Auch diese Erfassung erbrachte einen gewaltigen Erkenntniszuwachs. Auf Basis von 135 kartierten Raufußkäuzen wurde der Landesbestand auf 140-180 Reviere geschätzt. Vorher lag die Landesschätzung bei 40-80 Revieren. Vom Sperlingskauz wurden 43 Rufer ermittelt. Daraus wurde der Landesbestand auf 45-60 Reviere geschätzt, während vorher von 10-15 Revieren ausgegangen wurde. Von beiden Arten wurden neue Nachweise in bislang nicht bekannten Vorkommensgebieten erbracht.
Im nächsten Beitrag wurden über 2000 Einzelnachweise der Großtrappe im Einstandsgebiet Fiener Bruch aus den letzten Jahrzehnten ausgewertet. Dabei ergab sich, dass der Jahreslebensraum des Trappenbestandes eine Größe von 216 km² hat und damit deutlich über die Fläche der beiden Vogelschutzgebiete in Sachsen-Anhalt und Brandenburg hinausgeht. Balzaktivitäten und Brutnachweise konzentrieren sich in den letzten Jahren im Bereich von zwei prädatorensicheren Einzäunungen innerhalb der EU-SPA. Aus den Aktionsräumen werden Vorschläge zur Erweiterung der EU-SPA und zum Schutz der Trappe außerhalb der Vogelschutzgebiete abgeleitet.
Der traditionelle Bericht über die letzte Wasservogelzählsaison gibt einen sehr aktuellen Überblick über die Zählergebnisse 2010/2011 an mittlerweile 150 Gewässern und Gewässerabschnitten. Insgesamt wurden über die 6-8 Zähltermine summiert 1.261.507 im weitesten Sinne ans Wasser gebundene Vögel erfasst, darunter 1.029.776 eigentliche Wasservögel und 126.408 Limikolen. Im Oktober und November 2010 überschritt die Zahl der gezählten Silberreiher erstmals die der Graureiher.
Im letzten Beitrag werden die Ergebnisse der Zählungen an Kranichschlafplätzen in Sachsen-Anhalt zusammengefasst. Erstmals wurde 2009/2010 versucht, landesweit an allen Schlafplätzen synchron den Rastbestand des Kranichs zu erfassen. Maximal wurden zum Monatswechsel Oktober/November 2009 gut 25.000 Kraniche erfasst, was allerdings deutlich weniger ist als in einigen Vorjahren. Alle Schlafplätze werden detailliert beschrieben. Insbesondere werden verschiedene Störfaktoren diskutiert.
Das Heft ist vollständig downloadbar - siehe Verweis am Ende der Meldung. Die gedruckte Fassung kann kostenlos bezogen werden bei Stefan Fischer.
Starke Veränderungen der Wasservogelbestände in Großbritannien
Die Winterbestände der Tafelente sind in Großbritannien seit 1998 um 46 % zurückgegangen. Quelle: Christopher Plummer
Millionen von Schwänen, Gänsen, Enten und weiteren Wasservögeln entfliehen derzeit den fallenden Temperaturen in Nordeuropa, Sibirien, Grönland oder Kanada und ziehen in ihre südlicher gelegenen Überwinterungsgebiete. Großbritannien stellt eines der wichtigsten Länder für überwinternde Wasservogel in Europa dar. Der neue von der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) in Zusammenarbeit mit weiteren britischen Naturschutzorganisationen herausgegebene Statusbericht "The State of the UK’s Birds 2011" informiert über dramatische Bestandsveränderungen der Wasservögel, die teilweise ihre niedrigsten (teilweise aber auch höchsten) bisher festgestellten Winterbestände aufweisen. [mehr] Seit 1998, dem ersten Jahr der Zählungen, sind die Zahlen von Tafelente (-46%), Alpenstrandläufer (-39%), Pfuhlschnepfe (-29%), Sandregenpfeifer (-26%) und Stockente (-22%) besonders stark rückläufig. Auf der anderen Seite haben die Bestände der Singschwäne, die aus Island zum Überwintern nach Großbritannien kommen, ihr Maximum erreicht. In den letzten 10 Jahren sind hier die Zahlen um 122% angestiegen. Dieselbe Erfolgsgeschichte zeigt sich bei Säbelschnäbler (+95%) und Kurzschnabelgans (+27%). Beide Arten haben die höchsten je festgestellten Bestände erreicht.
Die Gründe für die Veränderungen sind nicht genau bekannt. Ergebnisse der Wasservogelzählungen in anderen europäischen Ländern zeigen jedoch, dass sie teilweise dadurch zu erklären sind, dass einige Vögel aufgrund milderer Temperaturen nicht mehr ganz so weit nach Süden ziehen.
Detaillierte Infos zu den Veränderungen der Wasservogelbestände sowie viele weitere interessante Informationen über den aktuellen Status der Vögel in Großbritannien können dem neuen Statusbericht "The State of the UK’s Birds 2011" entnommen werden.
Auch der Anfang 2012 erscheinende Statusbericht "Vögel in Deutschland 2011“, der gemeinsam vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten erarbeitet wurde, behandelt schwerpunktmäßig das Thema Wasservögel. Anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Ramsar-Konvention wird unter anderem auf die Bedeutung Deutschlands in Bezug auf Rast- und Mausergebiete dieser Arten eingegangen. Neben Beiträgen zu wandernden Vogelarten und deren Erforschung wird in dem Bericht auch auf nationale und internationale Schutzinstrumente eingegangen. Der Bericht wird im Frühjahr 2012 kostenfrei auf diesen Seiten zum Download angeboten werden und kann dann auch über den DDA-Schriftenversand in gedruckter Form bestellt werden.
Rekordeinflug von Raufußbussarden - erste Auswertung im Falke-Sonderheft "Greifvögel"
In diesem Herbst / Winte wurden so viele Raufussbussarde wie seit 40 Jahren nicht mehr beobachtet. Quelle: Lutz Ritzel
Raufußbussarde überwintern in unserem Raum regelmäßig in Nord- und Teilen Ostdeutschlands. Beobachtungen tiefer im Binnenland sind daher für viele Vogelkundler normalerweise ein echtes Highlight. In diesem Herbst/Winter bestehen jedoch bis nach Süddeutschland die seit Jahren besten Chancen, den eindrucksvollen Vogel einmal selbst zu erleben. Denn derzeit findet der größte Einflug seit fast vierzig Jahren nach Mitteleuropa statt. [mehr] Für das gerade erschienene Falke-Sonderheft "Greifvögel“ verfasste deshalb Stefan Stübing einen Beitrag, der einen ersten Blick auf den Beginn und die Ursachen des Einflugs wirft und Hinweise zur Bestimmung gibt. Dabei konnte er bereits auf über 700 Beobachtungen aus ornitho zurückgreifen (Stand: 3. Dez.), v.a. aber auf die aktuelle Verbreitungskarte. Vor dem Start von ornitho wäre es unmöglich gewesen, selbst ein grobes Verbreitungsbild so aktuell erstellen zu können. Der Raufußbussard ist damit zu einer Art „Symbolvogel“ der ersten Wochen von ornitho.de und ornitho.lu geworden, der verdeutlicht, welch großer Gewinn das Portal für die Avifaunistik hierzulande ist.
Inzwischen sind weitere 200 Beobachtungen hinzugekommen. Ganz herzlichen Dank allen Melderinnen und Meldern! Die aktuelle Verbreitungskarte finden sie hier.
Das komplette Falke-Sonderheft "Greifvögel“ mit vielen weiteren spannenden Beiträgen zu Adler, Geier & Co können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.
Vorläufige Ergebnisse des brutbiologischen Monitorings in Großbritannien 2011
Höhlenbrüter wie die Kohlmeise hatten 2011 einen hohen Bruterfolg in Großbritannien. Quelle: Erich Greiner
Bereits seit 1939 sammelt der British Trust for Ornithology (BTO) über das brutbiologische Nest Record Scheme (NRS) Informationen zur Brutzeit und zum Bruterfolg von Vögeln in Großbritannien. Zu jeder Brutzeit engagieren sich mehr als 500 ehrenamtliche Mitarbeiter bei der Kartierung von mehr als 30.000 Nestern einer breiten Palette von Vogelarten. Die gewonnenen Informationen helfen zu verstehen, wie sich der Bruterfolg der einzelnen Arten langfristig verändert und festzustellen, ob dies zu signifikanten Bestandsveränderungen führt. [mehr] Trends im Bruterfolg der letzten vier Jahrzehnte werden alljährlich im Bird Trends Report veröffentlicht. Die Sammlung und Analyse der Daten hat bisher jedoch immer ein fast Jahr gedauert. Anfang letzten Jahres wurden die Mitarbeiter daher dazu aufgerufen, ihre Daten so früh wie möglich weiterzuleiten. Dies hat dazu geführt, dass erste vorläufige Ergebnisse der sieben häufigsten festgestellten Arten bereits vorzeitig veröffentlicht werden konnten. Ein entsprechender Aufruf in diesem Jahr hat dazu geführt dass Ende Oktober mit 22.000 Daten bereits 50 % mehr Daten gemeldet wurden, als zum gleichen Zeitpunkt 2010. Durch diese hervorragende Mitarbeit konnte daher nun ein vorläufiger Bericht mit Ergebnissen für insgesamt 18 Arten veröffentlicht werden, in dem der Bruterfolg 2011 mit dem durchschnittlichen Bruterfolg der vergangenen fünf Jahre verglichen wird.
Es konnte festgestellt werden, dass im Gegensatz zum Jahr 2010, in diesem Jahr der Bruterfolg von Kleinsäuger-Spezialisten wie Schleiereule und Waldkauz sehr gut war. Beim Turmfalken stieg die Zahl der flüggen Jungvögel pro Nest um 15 % an. Der bereits im vergangenen Jahr festgestellte gute Bruterfolg vieler Höhlenbrüter im Wald konnte 2011 bestätigt werden. Durch eines der wärmsten und trockensten Frühjahre seit Mitte der 1960er Jahre kam es z.B. bei der Kohlmeise zur höchsten Zahl flügger Jungvögel pro Nest seit 2002. Bei den Freibrütern war 2011 ein eher durchschnittliches Brutjahr. Sowohl bei Standvögeln und Kurzstreckenziehern als auch bei Langstreckenziehern gab es keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zum Nachwuchs der letzten fünf Jahre, auch wenn Standvögel wie Singdrossel und Heckenbraunelle einen insgesamt besseren Bruterfolg zeigen.
Die Ergebnisse des aktuellen NRS-Berichts zeigen, welche interessanten Informationen sich aus einem brutbiologischen Monitoring gewinnen lassen. Im Gegensatz zu Deutschland haben neben Großbritannien auch viele andere Länder in und außerhalb Europas gut funktionierende und erfolgreiche Nesterfassungsprogramme. Über kurz oder lang ist es daher auch in Deutschland wünschenswert, ein effektives brutbiologisches Monitoring aufzubauen, um die Informationen der Monitoringprogramme international vergleichbar und zukunftsfähig zu halten.
Integriertes Monitoring von Singvogelpopulationen: Ergebnisse des Jahres 2010
Der Star zeigt für das Jahr 2010 eine deutliche Bestandszunahme. Quelle: Christopher Plummer
Das Monitoring von Brutvogelbeständen durch Beobachtung lässt in der Regel keine Aussagen darüber zu, ob Populationen z.B. abnehmen, weil sie nicht genügend Nachwuchs reproduzieren, nicht genügend Individuen überleben oder beides der Fall ist. Fortpflanzungs- und Überlebensraten lassen sich u.a. durch standardisierte Fang-Wiederfang-Programme ermitteln. Nach dem Vorbild des in Großbritannien schon seit den 1980er Jahren sehr erfolgreich laufenden sog. "Constant Effort Site"-Beringungsprogramms haben deshalb die drei deutschen Vogelwarten Mitte der 1990er Jahre ein weitgehend identisches Vorhaben auch in Deutschland gestartet, das sog. "Integrierte Monitoring von Singvogelpopulationen" (IMS). Dabei werden jährlich an derselben Stelle und in immer gleicher Weise von Anfang Mai bis Ende August jeweils einmal pro 10-Tages-Intervall für jeweils 6 Stunden ab Morgendämmerung Kleinvögel gefangen. [mehr] Insgesamt wurden in den vergangenen 14 Jahren mehr als 110.000 Vögel von 116 Arten auf den insgesamt 57 aktiven Untersuchungsflächen beringt bzw. kontrolliert. Aus den gesammelten Daten können für 31 Arten solide Aussagen zu Bestandstrends und zur Entwicklung des jährlichen Bruterfolgs gemacht werden. Auch Analysen zu Überlebensraten können nun nach und nach für die häufigeren Arten erstellt werden. Eine Erfolgsgeschichte, wie dem von der Beringungszentrale Hiddensee herausgegebenen 15. Rundschreiben zu den Ergebnissen des Jahres 2010 zu entnehmen ist.
Die Bilanz hinsichtlich der Bestandstrends ist für das Jahr 2010 generell sehr positiv. Zunahmen gegenüber dem Vorjahr überwiegen (23 von 31 Arten) in einem Maße, wie es in den letzten fünf Jahren nie der Fall gewesen ist. Dazu gehören auch Arten, die seit 1998 beträchtlich abgenommen haben, wie Star (+115 %), Gelbspötter (+39 %) und Feldsperling (+12 %). Für die bereits längere Zeit in leichter Zunahme begriffene Singdrossel konnte mit der neuerlichen Zunahme (+36 %) ein signifikant positiver Langzeittrend (1998 bis 2010) von jährlich durchschnittlich +4 % errechnet werden. Bei den acht Arten, die gegenüber 2009 in geringerer Zahl registriert worden sind, kommen die größten Verluste bei in Mitteleuropa überwinternden Vogelarten vor, was darauf hindeutet, daß es in dem kalten Winter 2009/2010 Verluste gegeben hat. Am stärksten betroffen ist die Bartmeise mit einem Rückgang von –52 %. Auch Weidenmeise (–32 %), Stieglitz (–27 %), Zaunkönig (–23 %) und Amsel (–12 %) hatten 2010 einen geringen Bestand. Kohlmeise (+19 %) und Blaumeise (+4 %) waren nicht so betroffen.
Ganz allgemein ist der Jungvogelanteil 2010 in etwa so hoch wie 2009, jedoch niedriger als 2007 und 2008. 21 von 31 Arten hatten unterdurchschnittliche Jungvogelanteile. Zu diesen Arten gehören alle Meisen (Blaumeise –10 %, Kohlmeise –4 %, Weidenmeise –25 %) und alle Grasmücken (Mönchsgrasmücke –6 %, Gartengrasmücke –8 %, Klappergrasmücke –7 %, Dorngrasmücke –22 %). Bei Buchfink und Stieglitz blieb der Jungvogelanteil sogar unter 10 %. Ein sehr guter Bruterfolg konnte für Nachtigall, Kernbeißer und Star registriert werden.
Zur Berechnung von Langzeittrends wurden alle Vogelarten ausgewertet, von denen in zehn Jahren mindestens 200 nicht diesjährige Individuen gefangen werden konnten, ausgenommen Feldschwirl (308) und Schilfrohrsänger (378), die nur auf wenigen Untersuchungsflächen in nennenswerter Anzahl und insgesamt nur sehr unregelmäßig auftraten. Diese Kriterien erfüllten 30 Singvogelarten und der Buntspecht. Von diesen 31 Arten wiesen 16 Arten im Zeitraum 1998 bis 2010 statistisch gesicherte positive bzw. negative Trends der jährlichen Altvogel-Fangzahlen auf. Die Bestände von Kohlmeise, Weidenmeise, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Amsel, Rotkehlchen, Buchfink und Gimpel sind wahrscheinlich seit 1998 in etwa stabil. Der Kernbeißer hat sich wahrscheinlich positiv entwickelt. Neuntöter, Bartmeise, Fitis, Zaunkönig, Nachtigall und Grünfink haben sich wahrscheinlich negativ entwickelt.
Neben den Ergebnissen des Jahres 2010 liefert das aktuelle Rundschreiben eine Auswertung der Mönchsgrasmückendaten sowie Hinweise zu den ab 2012 geltenden neuen Richtlinien für das IMS.
Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig das zeitaufwändige IMS als Teil des bundesweiten Vogelmonitorings ist. Wir hoffen, dass sich schon bald weitere Gruppen dem Programm anschließen, um die Aussagen noch belastbarer und repräsentativer zu machen.
Internationale Zusammenarbeit zum Schutz von Zugvögeln notwendig
Die Dorngrasmücke ist eine der Arten, deren Population zurück geht. Quelle: Christopher Plummer
Die Populationen von Turteltaube, Nachtigall, Kuckuck, Waldlaubsänger und anderen Langstreckenziehern nehmen in Europa so rapide ab, dass sich Delegierte aus der ganzen Welt, darunter Vertreter der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) sowie BirdLife International Partner aus verschiedenen europäischen und afrikanischen Ländern vom 20.-25. November auf der 10. Konferenz der Vertragsparteien (COP10) des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS)) im norwegischen Bergen zusammengefunden haben, um eine Reihe von Entscheidungen zu treffen, die zu entscheidenden Verbesserungen im Schutz wandernder Vogelarten führen sollen. [mehr] Der Rückgang dieser Arten ist in ganz Europa mittlerweile so stark, dass international koordinierte Erhaltungsmaßnahmen nötiger sind denn je. So wurde eine Resolution zur Verbesserung des Erhaltungszustandes der wandernden Landvögel in der afrikanisch-eurasischen Region verabschiedet. Die meisten dieser stark im Bestand abnehmenden Arten, in den meisten Fällen Singvögel, werden durch die aktuellen Maßnahmen entlang der Zugwege nur wenig geschützt. Im Gegensatz zu Wasservögeln sind sie nicht auf einzelne Gebiete beschränkt, sondern ziehen auf sehr breiter Front. Der weitere Rückgang kann daher nicht durch gebietsweisen Schutz aufgehalten werden. Stattdessen sind weiträumige Schutzmaßnahmen einer Reihe von Lebensräumen notwendig, die zu einer Verbesserung der Umwelt sowohl für die Tierwelt als auch für den Menschen führen.
Neben der vorrangigen Umsetzung von Schutzmaßnahmen entlang der Zugwege wurden weitere Resolutionen zur Bekämpfung von Vergiftungen sowie der Minimierung von Auswirkungen von Freileitungen auf Vögeln verabschiedet.
Die weltweit gefährdeten Arten Isabellbrachvogel (Numenius madagascariensis), Borstenbrachvogel (Numenius tahitiensis) und Würgfalke (Falco cherrug) wurden in Anhang 1 (=wandernde Arten, die vom Aussterben bedroht sind) der CMS Liste der gefährdeten wandernden wild lebenden Tierarten aufgenommen. Rotfußfalke (Falco vespertinus) und Bobolink (Dolichonyx oryzivorus) wurden in Anhang 2 (= wandernde Arten, denen durch internationale Zusammenarbeit erheblich geholfen werden könnte) aufgenommen.
Von BirdLife International und seinen Partnern wurde im Rahmen der Konferenz außerdem über den globalen Schutz ziehender Wasservögel, mit einem Fokus auf ostasiatische Gezeitenhabitate, den vom Aussterben bedrohten Löffelstrandläufer (Eurynorhynchus pygmeus) sowie die stark gefährdeten Arten Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) und Zwerggans (Anser erythropus) diskutiert.
Die DAK sammelt, archiviert, prüft und publiziert dokumen- tierte Beobachtungen deutschlandweit seltener Vogelarten. [mehr ...]
Status, Karten, Brut- und Rastbestände, Rote Liste-Status, rechtlicher Schutz ... all das finden Sie in unserem Informationssystem Vögel in Deutschland
Aktuell finden sich Beiträge zum nahrungs- ökologischen Wandel bei Sing-, Zwerg- und Höckerschwan in den Danneberger Elbbögen, zur Populationsdynamik des Schreiadlers, dem Bestandsrückgang der Wiesenlimikolen in Westpolen sowie einen Bericht zum stark gefährdeten Ortolan.
Ebenso enthalten ist die neueste Ausgabe von DDA-Aktuell. zum Inhalt Abo-Info
Die aktuelle Falke-Ausgabe beschäftigt sich mit Extremen. Das beginnt mit dem extrem schönen Westerheversand und führt über die extrem gefährdeten Löffelstrandläufer, die nun in Volierenzucht vor dem Aussterben bewahrt werden sollen, zu den extrem schwer zugänglichen Brutgebieten des Knutts und des Großen Knutts im Nordosten Russlands. Hinzu kommen Beiträge über die Fjellammern der Bergtundra Südnorwegens, zur Dohle als Vogel des Jahres 2012 und auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Der Silberne Uhu 2011 wurde an Harro Maass vergeben und neben einigen seiner Bilder finden sich weitere Beispiele beeindruckender Vogelmalerei.
Werfen Sie doch einfach mal einen Blick auf die Homepage des Falke Journals.
Am 7. Mai fand bereits das 8. bundesweite Birdrace statt. 152 Teams waren am Start (davon 69 mit dem Fahrrad) - so viele wie nie zuvor. Ergebnisse Arten Ergebnisse Spenden Medienecho
"Vögel in Deutschland 2010" Der Bericht behandelt schwerpunktmäßig, wie die im japanischen Nagoya im November 2010 verabschiedeten neuen "2020-Ziele" zum Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland wirksam umgesetzt werden können.
Der 34-seitige Rundbrief zum Vogelmonitoring in Deutschland enthält 15 Beiträge. So berichten wir über erste Erkenntnisse der Auswirkungen des kalten Winters 2009/10 aus dem Monitoring häufiger Brutvögel, wir erhalten einen spannenden Einblick in die Populationsdynamik des Weißstorchs, wir haben das ehrenamtliche Engagement im Vogelmonitoring hierzulande quantifiziert und auch die "Vögel in Deutschland 2010" sind inzwischen flügge. Und es gibt noch viel mehr zu entdecken. zum Inhalt
2011/12 findet eine bundesweite Rotmilanerfassung statt.
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Nach vier erfolgreichen Kartierungsjahren und einer intensiven Aufbereitung und Auswertung ist es nun soweit. Die Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und der DDA freuen sich, die Erscheinung des Atlaswerkes ankündigen zu dürfen.
Um die Fertigstellung und Herausgabe zu unterstützen, können Sie sich jetzt ein Exemplar zum Vorzugspreis sichern.
Das Buch wird im Handel 98,00 € kosten. Als Mitarbeiter können Sie sich ein Exemplar zum Preis von 39,90 € zzgl. Lieferkosten sichern. Der Subskriptionspreis beträgt 69,90 € zzgl. Lieferkosten.
Mit einer Förder- mitgliedschaft im DDA helfen Sie uns, die Monitoringprogramme zu organisieren und die Ergebnisse zeitnah in Schutzmaßnahmen einfließen zu lassen. Aufnahmeantrag[39kb]
Als Buch ist das Methodenhandbuch vergriffen, es kann aber weiterhin als PDF-Dokumant auf CD-ROM für 9,80€ bestellt werden.
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