Rotmilan 2011/12

Warum eine bundesweite Erfassung des Rotmilans?

Rotmilan (Ritzel) Deutschland trägt die weltweit größte Verantwortung für den Rotmilan.
Foto: Lutz Ritzel.
Deutschland beherbergt mit 10-14.000 Brutpaaren über 50 % des weltweiten Rotmilanbestandes. Die Bundesrepublik trägt damit international eine herausragende Verantwortung für den Erhalt und die Entwicklung der gesamten Population. Verschiedenste Gefährdungen, von Nahrungsmangel in der Aufzuchtzeit, Störungen am Horst und Kollisionen mit Windkraftanlagen, bis zu Verlusten durch illegale Abschüsse und Vergiftungen, haben bundesweit seit Beginn der 1990er Jahre zu einem Rückgang von über 30 % geführt. Eine Verbesserung der Gefährdungssituation ist derzeit nicht zu erkennen. Deutschland steht somit mehr denn je in der Verantwortung für den Schutz dieser europaweit bedrohten Art.

Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen sind möglichst detaillierte Informationen zur Verbreitung und den Lebensraumansprüchen, mit denen tiefgreifende überregionale Analysen zur Raumnutzung, Habitatausstattung und zum Einfluss verschiedener Gefährdungsursachen möglich sind. Mit den Daten sollen auch die Auswirkungen der Landnutzung auf Bruterfolg und Habitatqualität oder der Erfolg von Schutzmaßnahmen bewertet oder sogar prognostiziert werden. Die Ergebnisse lassen sich in geplante oder bereits in Arbeit befindliche Artenschutzprogramme in den Bundesländern integrieren. Nicht zuletzt stellt die Kartierung einen idealen Einstieg in das Monitoring seltener Brutvögel dar, in dessen Rahmen künftig alljährlich Wissenslücken zur Verbreitung und zur Bestandsentwicklung weniger gut untersuchter oder gefährdeter Arten geschlossen werden sollen.

Die wichtigsten Gründe für eine erneute bundesweite Erfassung des Rotmilans nach ADEBAR sind:

  • die sehr hohe Verantwortlichkeit Deutschlands, wo mehr als 50 % des Weltbestandes brüten, jedoch weniger als 20 % des Bestandes in Vogelschutzgebieten vorkommen,
  • bundesweite Bestandsabnahmen von etwa 30 % seit Beginn der 1990er Jahre,
  • Hinweise auf einen hohen Anteil von Paaren, die nicht zur Brut schreiten sowie ein insgesamt schlechter Bruterfolg, die weitere Bestandsabnahmen wahrscheinlich machen,
  • das Fehlen ausreichend gesicherter Daten zu den Gründen des Bestandsrückganges aus allen Regionen Deutschlands. Verschiedene Studien haben zwar eine Reihe von plausiblen Gefährdungsursachen aufgezeigt, inwieweit diese aber überregional wirken, bedarf weiterer vertiefender Analysen.
  • Ein hoher Bedarf nach effektiven Schutzmaßnahmen, die nicht nur in Schutzgebieten, sondern darüber hinaus in der herkömmlich genutzten Normallandschaft ansetzen.