Kormoran (int. Synchronzählung)

Ergebnisse

Europaweite Schlafplatzzählung Januar 2003

Kormorane Verbreitung des Kormorans in Europa im Jan. 2003 (Zusammenfassung auf 50x50 km). Quelle: van Eerden et al. (2011)
Die Verbreitung und Bestandsentwicklung des Kormoran-Brutbestandes in Europa ist dank langjähriger Erfassungen der Brutkolonien sehr gut bekannt. Im Gegensatz dazu war über die Verbreitung und den Bestand im Winter vergleichsweise wenig bekannt. Im Januar 2003 organisierte die Wetlands International Cormorant Research Group deshalb eine erste europaweite Erfassung, mit dem Ziel, die überwinternden Kormorane möglichst synchron an ihren Schlafplätzen zu erfassen. Weite Teile Europas konnten dabei abgedeckt werden. Der Winterbestand für Europa und Nordafrika wurde damals auf 548.000 Kormoranen geschätzt (Unterarten carbo und sinensis; van Eerden et al. 2011).Bedingt durch eine Kältewelle in den Tagen vor der Zählung lag der Schwerpunkt der Winterverbreitung deutlicher als üblich im Westen und Süden Europas.

Kormorane Verbreitung des Kormorans in Deutschland im Jan. 2003, einschließlich grenznaher Schlafplätze (Quadrate) sowie Gewässer (kleine Kreuze) und Regionen (große Kreuze) ohne Kormorane. Quelle: Wahl et al. (2004)
Im Rahmen der ersten europaweiten Synchronzählung wurden in Deutschland und grenznahen Gebieten über 500 Schlafplätze kontrolliert und auf deutschem Staatsgebiet 33.568 Kormorane gezählt. In Anbetracht einer anzusetzenden Dunkelziffer von rund 10 % für nicht erfasste Individuen betrug der deutsche Mittwinterbestand im Januar 2003 etwa 38.000 Individuen. Durch die nahezu flächendeckende Vereisung kam es im Norden und Osten des Landes zu einer massiven Kälteflucht. Hohe Bestände wurden dort insbesondere an der Küste festgestellt. Auffällig war auch eine starke Konzentration in den großen Flusstälern.
Im Vergleich mit einer Zählung Mitte der 1990er Jahre in den westdeutschen Bundesländern hatte sich der Bestand dort noch einmal etwas erhöht (vgl. Grafik unten). Die Anzahl der Schlafplätze war jedoch um mind. 25 % angestiegen. Der größte Anteil (47 %) der Schlafplätze in Deutschland wies eine Größe von bis zu 50 Kormoranen auf. 13 % der Schlafplätze beherbergten mehr als 200 Vögel (entspricht 46 % der Ind.). Es wurden fast ausschließlich Bäume als Schlafplatz genutzt. Die Mehrzahl der Schlafplätze befand sich an Fließgewässern und deren Altarmen (Wahl et al. 2004).

Bestandsentwicklung

Kormorane Bestandsentwicklung des Kormorans basierend auf den Daten des Monitorings rastender Wasservögel in Deutschland, differenziert nach Jahreszeiten. Quelle: DDA
Aufgrund der seit den 1960er Jahren an vielen Hundert Gewässern stattfindenden Wasservogelzählung und des Rastvogelmonitorings im Wattenmeer wissen wir über die Rastbestandsentwicklung des Kormorans sehr gut Bescheid. Die vor allem in den 1980er Jahren erkennbare, exponentielle Zunahme der Rastbestände beim Kormoran hat sich in den letzten Jahren deutlich abgeschwächt. Ein anhaltender Bestandsanstieg zeigt sich nur noch im Norden. Im Westen sind die Bestände seit Beginn des Jahrtausends stabil, im Süden war bereits Anfang der 1990er Jahre das Maximum erreicht. Der Bestand ist dort seither auf einem niedrigeren Niveau stabil.
Bei einer jahreszeitlich differenzierten Betrachtung zeigt sich ein ähnlicher Bestandsverlauf im Herbst (Sep.—Nov.) und im Winter (Dez.—Feb.). Am stärksten stiegen die Rastbestände im Frühjahr an. Diese Entwicklung korrespondiert mit den bis Mitte der 2000er-Jahre weiter angestiegenen Brutbeständen in Deutschland (Kieckbusch 2012).

Literatur

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