Häufige Brutvögel neu

Das neue Monitoring der häufigen Brutvögel

Kohlmeise Nimmt die Kohlmeise zu oder ab?
Foto: S. Achtermann
Wie entwickeln sich die Bestände von Kohlmeise, Amsel oder Elster sowie weiteren flächig und in den meisten Regionen noch in hoher Dichte brütenden Arten? Um diese Frage auf Basis einer belastbaren Datengrundlage und standardisierter Methoden zu beantworten, wurde 1989 nach Vorbildern in anderen Ländern Europas ein Monitoring für häufige Brutvögel durch den DDA, namentlich von Martin Flade und Johannes Schwarz, ins Leben gerufen. Dieses Monitoringprogramm basiert auf frei wählbaren Probeflächen und bedient sich zweier Standardmethoden, der Punkt-Stopp-Zählung bzw. der Revierkartierung. Mit diesem Programm steht mittlerweile eine lange Datenreihe zur Bestandsentwicklung unserer häufigen Brutvögel zur Verfügung, die auch in die europaweiten Indikatoren eingeht, die durch das European Birds Census Council (EBCC) erarbeitet und inzwischen auch teilweise von der EU-Kommission für deren Nachhaltigkeitsstrategie übernommen wurden.

Warum ein ganz neues Monitoringprogramm?

NHI Verlauf des Nachhaltigkeits-
indikators für die Artenvielfalt (Indexwerte) im Vergleich zum Zielwert für 2015.
Quelle: BfN
Inzwischen sind die Anforderungen an ein bundesweites Monitoringprogramm auf vielfältige Weise angewachsen, die es notwendig machten, das existierende Monitoringprogramm daran anzupassen. So hat sich die Bundesrepublik Deutschland auf der Weltkonferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro im Jahr 1992 zur Erhaltung und Überwachung der biologischen Vielfalt sowie zur nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile verpflichtet. Um eine statistisch abgesicherte Überwachung der Nachhaltigkeit im Naturschutzbereich zu ermöglichen, hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Entwicklung eines Nachhaltigkeitsindikators in Auftrag gegeben. Dieser Naturschutzindikator, der in die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung eingebettet ist, beruht in wesentlichen Teilen auf bundesweiten Bestandstrends von Vogelarten.
Aufbauend auf einem ebenfalls vom BfN in Auftrag gegebenen Konzept für ein naturschutzorientiertes Tierartenmonitoring wurde der DDA im Herbst 2003 durch das BfN beauftragt, im Rahmen eines dreijährigen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens ein auf ehrenamtlicher Datenerhebung basierendes Monitoringprogramm einzurichten, das einige Einschränkungen des bestehenden Monitoringprogramms überwinden sollte. Ziel war es vor allem
  • eine für ganz Deutschland repräsentative Abdeckung aller Regionen und Lebensräume zu erreichen und
  • Trendanalysen mit ausschließlichem Bezug auf Brutvögel unter weitestgehendem Ausschluss von Durchzüglern oder Nahrungsgästen zu ermöglichen.
Eine weitere Voraussetzung betraf das Probeflächendesign, das sich an dem System der Ökologischen Flächenstichprobe orientieren sollte, um später aufbauend auf einem Monitoring bei Brutvögeln problemlos weitere ökologische Parameter wie Biotoptypen, Pflanzen oder andere Tierartengruppen überwachen zu können.

Zufällig gezogene Probeflächen als Basis des neuen Monitorings

PF Bund Vergabestand im Feb. 2006 Lage der Probeflächen der Bundesstichprobe. Rot: Probefläche vergeben, grün: Mitarbeiter gesucht! Stand: Feb. 2006
Quelle: DDA
Abweichend von den bisherigen Programmen findet das künftige Monitoring auf vorgegebenen Probeflächen statt. Diese umfassen jeweils eine Fläche von 100 ha und besitzen eine quadratische Form (also 1x1 km²). Die Stichprobe zur Festlegung der 1.000 Beobachtungsflächen für das neue Monitoringprogramm wurde vom Statistischen Bundesamt (StBA) nach dem Verfahren der geschichteten Zufallsstichprobe gezogen. Auf Wunsch einiger Bundesländer wurde neben der Stichprobe für das bundesweite Monitoring zusätzlich eine Stichprobe gezogen, so dass für jedes Bundesland ebenfalls repräsentative Aussagen möglich sind (siehe Tabelle unter Probeflächen).
Basis für die Ziehung ist eine Zuordnung der gesamten Landfläche Deutschlands zu den Kategorien Ackerland, Grünland, Siedlung, Wald, Sonderbiotope und Sonderkulturen auf Basis des Amtlichen Topographisch-Kartographischen Informationssystems (ATKIS). Zu einem späteren Zeitpunkt werden auch Probeflächen für Gewässer gezogen. In einem zweiten Schritt wurden die für die ATKIS-Schichten ermittelten Probeflächen 21 Standorttypen zugeordnet, die grob die naturräumliche Gliederung Deutschlands widerspiegeln und zu sechs Landschaftstypen aggregiert werden können. Unter Berücksichtigung dieser beiden Schichtungen (nach Lebensraum und Naturraum) wurden die Probeflächen dann zufällig gezogen.
Eine detaillierte Beschreibung der Stichprobenziehung finden Sie im folgenden Beitrag:
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Verknüpfung des neuen Monitoringprojekts mit dem seit 1989 laufenden Programm

Nach dem Vorbild aus dem Vereinigten Königreich, wo seit 1994 ebenfalls eine methodische Umstellung des Monitorings häufiger Brutvögel zugunsten zufällig ausgewählter Probeflächen vorgenommen wurde, soll auch in Deutschland ein Anschluss der seit 1989 erhobenen Daten hergestellt werden. Die Punkt-Stopp-Zählungen und Revierkartierungen werden daher mindestens bis 2010 parallel zum neuen Monitoring fortgeführt. Durch die fünf Jahre lang parallel erhobenen Daten wird es möglich sein die Daten aus beiden Stichprobennetzen miteinander zu verknüpfen und so die lückenlose Verbindung des 1989 begonnenen Monitorings mit der Moderne herzustellen.

Kartiermethode: die Linienkartierung

Probefläche Beispiel einer Kartierroute mit den unterschiedenen Lebensraumtypen. Rot: Siedlung, grün: Grünland, gelb: Wald.
Quelle: DDA
Nach sorgfältiger Abwägung und umfangreichen Diskussionen wurde als Kartiermethode die Linienkartierung gewählt. Dabei werden entlang einer festgelegten ca. 3 km langen, überschneidungsfreien Route alle brut- oder revieranzeigenden Vogelarten nach standardisierter Vorgabe (Raum, Methodik) kartiert. Die vom bundesweiten Koordinator vorgegebene Route - möglichst als Rundkurs - deckt alle wichtigen Lebensräume der Probefläche ab. Aufgrund der Kartierergebnisse kann ein artspezifischer "Hörkorridor" errechnet werden, über den ein Flächenbezug hergestellt und damit auch Hochrechnungen auch auf Basis der Lebensraumtypen ermöglicht wird. Diese Methode ist nicht nur im Hinblick auf ein Monitoring sehr effizient und ökologisch aussagekräftig, sondern lässt sich auch für die Kartierungen im Rahmen des neuen deutschen Brutvogelatlasses einsetzen! Mit dieser Methode wurden auch die Daten des allseits gelobten Brutvogelatlas der Schweiz erhoben.
Eine detaillierte Kartieranleitung sowie weitere Informationen zur Erfassung und Auswertung der Daten finden Sie unter Kartiermethode.

 

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Bild„Vögel in Deutschland 2014“ behandelt auf über 70 Seiten die Hintergründe der in Vögel in Deutschland 2013 beobachteten Bestandsveränderungen sowie die Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland.

Bild„Seltene Vögel in Deutschland 2014“ beinhaltet neben dem Seltenheitenbericht 2014 auch Beiträge zu Kanadakranich, Buschrohrsänger und Pazifiksegler.

BildStatus, Karten, Brut- und Rastbestände, Rote Liste-Status, rechtlicher Schutz ... all das finden Sie in unserem Informationssystem
Vögel in Deutschland

Vergabestand im Monitoring häufiger Brutvögel





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Wasservogelzählung

BildDas Buch gibt einen aktuellen Überblick über die Programme, Methoden, Konzepte, Anwendungs- gebiete und Auswertungsmöglichkeiten des Vogelmonitorings. Die Monitoring-Programme häufiger Brutvögel, seltener Brutvögel sowie rastender Wasservögel werden ebenso vorgestellt wie die organisatorischen Voraussetzungen eines international relevanten Vogelmonitorings in Deutschland. Die Darstellung weiterer Projekte wie ADEBAR runden den Überblick ab. Überdies werden Vorteile und Möglichkeiten des Online-Portals ornitho.de für die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und das Monitoring beschrieben.
Bezug:
BfN-Schriftenvertrieb: Tel.: 0 25 01 / 8 01-3 00, Fax: 0 25 01 / 8 01-3 51 oder im Internet

BildDas Methoden- handbuch ist wieder gedruckt verfügbar und kann für 29,80 € bestellt werden.