Goldregenpfeifer (int. Synchronzählung)

Ergebnisse

Oktober 2008

Verbreitung der Goldregenpfeifer im Oktober 2008 in Deutschland Verbreitung der Goldregenpfeifer um den 18./19. Oktober 2008 in Deutschland (noch vorläufug; Publikation in Arbeit).
Am 18./19. Oktober 2008 fand die (nach 2003) zweite europaweite Goldregenpfeifer-Synchronzählung statt. Im Rahmen der Zählung wurden rund 204.000 Goldregenpfeifer erfasst, fast ausschließlich im Norddeutschen Tiefland. Die höchsten Anteile am Gesamtbestand wiesen Schleswig-Holstein und Hamburg (35 %), Mecklenburg-Vorpommern (30 %), Niedersachsen und Bremen (25 %) sowie Brandenburg (7 %) auf. Im Gegensatz zum Nordwesten Deutschlands, wo sich die Goldregenpfeifer im küstennahen Bereich der Nordsee sowie die Mündungen der großen Flüsse angetroffen wurden, traten im Nordosten auch weit im Binnenland große Ansammlungen auf. Korrigiert um Erfassungslücken dürfte der Rastbestand am Zählwochenende bei rund 220.000 Ind. gelegen haben. Damit wurde etwa die gleiche Anzahl Goldregenpfeifer wie 2003 ermittelt. Im Vergleich zur ersten deutschlandweiten Erfassung lag der Schwerpunkt der Verbreitung jedoch weiter im Nordosten. Dieses Bild spiegelt sich auch international wider. Aufgrund der deutlich milderen Witterung war der Zug offenbar noch nicht so weit fortgeschritten. Für 58,3 % der gezählten Individuen wurde das Rasthabitat angegeben. Die meisten Goldregenpfeifer rasteten demnach auf Grünland (41,2 %), auf Wintergetreide (24,3 %), Salzwiesen (10,6 %), Stoppeläckern (10,2 %) oder frisch umgebrochenen Äckern (6,8 %). Es zeigten sich jedoch beträchtliche Unterscheide: In Niedersachsen wurde vorwiegend Grünland genutzt, in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt dominierten hingegen Wintergetreide und frisch umgebrochene Äcker. Erstmals sollte auch der Kiebitz optional miterfasst werden. In In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt erfolgte das sehr konsequent. Über 400.000 Kiebitze wurden insgesamt gezählt. Nach vorsichtigen Schätzungen ist von einem Rastbestand von 750.000 Ind. um Mitte Oktober 2008 auszugehen. Dieser Bestand liegt deutlich über den bisherigen Schätzungen. Eine Publikation der Ergebnisse ist noch geplant.

Europaweit wurden wiederum knapp über 1 Mio. Goldregenpfeifer erfasst. Die Ergebnisse sind von Gillings et al. (2012) veröffentlicht. Die Publikation steht unten als PDF zur Verfügung.

Oktober 2003

Verbreitung der Goldregenpfeifer im Oktober 2003 in Deutschland (Hötker 2004, aufgehübscht). Verbreitung der Goldregenpfeifer im Oktober 2003 in Deutschland (Hötker 2004, aufgehübscht).
Am 11./12. Oktober 2003 fand eine erste europaweite Zählung der Goldregenpfeifer statt, im Rahmen derer in Deutschland alle wichtigen Rastgebiete erfasst wurden. 213.193 Individuen, mit einem deutlichen Schwerpunkt entlang der Küste von Nord- und Ostsee sowie dem angrenzenden Hinterland wurden gezählt und 220.000 Ind. geschätzt. Über 90 % der Goldregenpfeifer wurden in Schleswig-Holstein (90.000), Niedersachsen (60.000) und Mecklenburg-Vorpommern (55.000) angetroffen. Abgesehen vom Nordosten Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns wurden im Binnenland nur geringe und südlich der Mittelgebirge nur sehr vereinzelt Goldregenpfeifer festgestellt. Im weiteren Verlauf des Herbstzuges, vor allem aber im Frühjahr wird das Binnenland in wesentlich stärkerem Maße zur Rast genutzt (v.a. große Niederungsgebiete). Die Goldregenpfeifer hielten sich überwiegend auf Äckern auf. In Niedersachsen spielten Grünland und in Mecklenburg-Vorpommern Salzwiesen und Wattbereiche eine wichtige Rolle.

Im Vergleich zu einer Zählung im Oktober 1993 in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden wurden hierzulande etwas weniger Goldregenpfeifer festgestellt. Damals wurde jedoch Ende Oktober und somit zwei Wochen später gezählt, so dass der Zug nach Südwesten schon weiter vorangeschritten war. So wurden 2003 in Niedersachsen deutlich geringere, in Dänemark jedoch die höchsten dokumentierten Rastbestände (380.000 Ind.) ermittelt.

Verbreitung der Goldregenpfeifer im Oktober 2003 in Europa. Verbreitung der Goldregenpfeifer im Oktober 2003 in Europa. Länder, die sich an der Synchronzählung beteiligten, sind grau hinterlegt (aus Rasmussen & Gillings 2007).
Über eine Million Goldregenpfeifer in Europa
Knapp 1,1 Millionen Goldregenpfeifer wurden im Oktober 2003 in sechs europäischen Ländern gezählt, etwas mehr als 900.000 auf dem europäischen Festland, die übrigen in Großbritannien und Irland. Das verdeutlicht die hohe Bedeutung, die Deutschland für Goldregenpfeifer zukommt: fast 30 % der von Nordnorwegen bis Westsibirien brütenden Population der Unterart altifrons rasteten zu diesem Zeitpunkt in Deutschland. Unter der Annahme, dass zum Zeitpunkt der Zählung die Brutvögel Skandinaviens und jene aus dem hohen Nordwest-Europa (v.a. Island, Faröer) noch gut getrennt waren, wurde für die vorgenannte biogeographische Population dank der hervorragenden Unterstützung auch in Deutschland ein wesentliches Ziel der Synchronzählung erreicht, die Aktualisierung der Bestandsschätzung auf Populationsebene.

Bundesland gezählt geschätzt Koordination
Schleswig-Holstein + Hamburg 88.702 90.000 K. Günther, K. Jeromin, B. Koop
Niedersachsen + Bremen 55.809 60.000 T. Krüger, P. Südbeck
Mecklenburg-Vorpommern 55.000 55.000 J. Kube
Brandenburg + Berlin 13.213 14.000 T. Ryslavy
Sachsen-Anhalt 417 417 S. Fischer
Nordrhein-Westfalen 39 39 S. Sudmann
Rheinland-Pfalz 6 6 K. Isselbächer
Bayern 5 5 S. Kluth
Sachsen 2 2 H. Meyer
Thüringen 0 0 A. Goedecke
Hessen 0 0 M. Korn
Saarland 0 0 G. Süßmilch
Baden-Württemberg 0 0 M. Boschert
gesamt 213.193 220.000 H. Hötker

Eine ausführlichere Darstellung der Ergebnisse finden Sie in den unten stehenden Beiträgen.

Allen Zählerinnen und Zählern sowie den Koordinatorinnen und Koordinatoren sei auch an dieser Stelle noch einmal für ihre großartige Unterstützung herzlichst gedankt!

Literatur

  • Gillings, S. (2005): 1. International workshop on passage and wintering Eurasian Golden Plovers - Workshop summary. Wader Study Group Bulletin 108: 5-12.
    icon downloadPDF [ 1273 kb ]
  • Gillings, S., A. Avontins, O. Crowe, S. Dalakchieva, K. Devos, J. Elts, M. Green, T. G. Gunnarsson, R. Kleefstra, V. Kubelka, T. Lehtiniemi, W. Meissner, E. Pakstyte, L. Rasmussen, G. Szimuly & J. Wahl (2012): Results of a coordinated count of Eurasian Golden Plovers Pluvialis apricaria in Europe during October 2008. Wader Study Group Bull. 119: 125—128. 
    icon downloadPDF [ 371 kb ]
  • Hötker, H. (2004): Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria in Deutschland im Oktober 2003. Vogelwelt 125: 83-87.
    icon downloadPDF [ 256 kb ]
  • Jukema et al. (2001): Goudplevieren en Wilsterflappers: eeuwenoude fascinatie voor trekvogels. Utrecht.
  • Krüger, T. (2004): Wegzugbestand des Goldregenpfeifers Pluvialis apricaria in Niedersachsen: Ergebnisse einer landesweiten Synchronzählung am 11./12. Oktober 2003. Vogelkdl. Ber. Nieders. 36: 35-52.
    icon downloadPDF [ 517 kb ]
  • Krüger, T. & J. Ludwig (2009): Wegzugbestand des Goldregenpfeifers Pluvialis apricaria in Niedersachsen: Ergebnisse einer landesweiten Synchronzählung am 18./19. Oktober 2008. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 89–99.
  • Rasmussen, L. M. & S. Gillings (2007): Results of a coordinated count of Eurasian Golden Plovers Pluvialis apricaria in Northern Europe, October 2003. Wader Study Group Bulletin 114: 60-64.
    icon downloadPDF [ 638 kb ]
  • Ryslavy, T. (2004): Rastbestandserfassung des Goldregenpfeifers im Oktober 2003 in Brandenburg. Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 13: 158-160.
    icon downloadPDF [ 82 kb ]
  • Ryslavy, T. (2009): Rastbestand, Verbreitung und Habitatnutzung von Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria) und Kiebitz (Vanellus vanellus) im Oktober 2008 in Brandenburg. Otis 17: 85–96.
  • Schulze, D. (2009): Ergebnisse der Synchronzählung rastender Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria in Mecklenburg-Vorpommern im Oktober 2008. Orn. Rundbrief Meckl.-Vorp. 46: 233–239.
  • Schulze, M. (2010): Ergebnisse der Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria-Zählung in Sachsen-Anhalt im Oktober 2008. Apus 15: 39–50.

 

 

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