Hintergrund

Hintergrund und Vorgeschichte des ADEBAR-Projektes

1993 — der erste gesamtdeutsche Brutvogelatlas

Steinkauz. Foto: J. O. Kriegs Steinkauz.
Foto: J. O. Kriegs
Für die alte Bundesrepublik Deutschland liegen zwei qualitative Brutvogelatlanten auf Basis des UTM-Netzes mit Gitterfeldern von 50 x 50 bzw. 25 x 25 km² (Rheinwald 1977, 1982) vor, für die ehemalige DDR ein halbquantitativer Brutvogelatlas mit Kartierungen von 1978 bis 1982/83 (Nicolai 1993) basierend auf dem topographischen Kartenblattsystem im Maßstab 1:25.000 (TK25). Gleichzeitig erarbeitete Rheinwald (1993) einen halbquantitativen Atlas auf 25 x 25 km²-Gitterfeldern für das wiedervereinigte Deutschland auf der Grundlage verschiedener regionaler Kartierungen aus der Mitte der 1980er Jahre mit stark voneinander abweichenden Erfassungsmethoden. Dies ist bis heute der einzige gesamtdeutsche Brutvogelatlas. Doch das wird sich ändern!

1998 — eine erste Initiative für einen neuen deutschen Brutvogelatlas

Brutverbreitung des Steinkauzes um 1985. Brutverbreitung des Steinkauzes um 1985.
Quelle: Rheinwald (1993)
1998 beschlossen der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und der Deutsche Rat für Vogelschutz (DRV) zusammen mit den Staatlichen Vogelschutzwarten der Bundesländer (LAG VSW) ein ehrgeiziges Konzept für einen neuen Atlas deutscher Brutvogelarten (ADEBAR), das die bundesweite Erfassung aller Brutvogelarten nach einheitlicher, bundesländerübergreifender, streng standardisierter, quantitativer Kartiermethode vorsah. Bis 2003 gelang es jedoch nicht, die für die Durchführung der geplanten Atlasarbeiten notwendigen Gesamtinvestitionen für Organisationsstrukturen, Kartiererbetreuung, Auswertung und Druck einzuwerben.

2003 — neue Impulse

Stiftung Vogelwelt.
Im Jahr 2003 traten zwei Ereignisse ein, mit denen die Rahmenbedingungen für die Durchführung des Atlas-Projektes deutlich verbessert wurden:
  • Im August 2003 wurde während der Tagung der Europäischen Ornithologen-Union in Chemnitz die Stiftung Vogelmonitoring Deutschland - in 2015 umbenannt in Stiftung Vogelwelt Deutschland (SVD) feierlich gegründet. Sie übernahm die Federführung im ADEBAR-Projekt.
  • Im Oktober 2003, bewilligte das Bundesamt für Naturschutz das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben Monitoring von Vogelarten in Deutschland, das der DDA mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in Kooperation mit der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) durchführt.

Brutverbreitung des Steinkauzes 2002—2004 Brutverbreitung des Steinkauzes 2002—2004.
Quelle: Gedeon et al. (2004)
Damit eröffneten sich Chancen und Perspektiven, die Atlasarbeit durch Bündelung mit den im F+E-Vorhaben geplanten Monitoringprogrammen voranzutreiben (z. B. die Auswahl von Probeflächen für repräsentative Hochrechnungen) und die Organisationsstrukturen an die neue Stiftung anzubinden.

Die Ziele von ADEBAR gehen daher über die der bisherigen Atlanten hinaus. Es sind

  • die bundesweite Darstellung und Interpretation der Verbreitung und Häufigkeit aller Brutvogelarten,
  • die Abschätzung der Größe der Brutbestände in Deutschland,
  • die Ermittlung der Verbreitungsschwerpunkte geschützter oder gefährdeter Vogelarten zur Unterstützung bestehender Instrumente des Flächennaturschutzes (z. B. zur Identifikation von Schutzgebieten) sowie
  • die Etablierung bundesländerübergreifender methodischer Standards zur Absicherung der wissenschaftlichen Belastbarkeit der Ergebnisse und zur Gewährleistung der Reproduzierbarkeit bei der Erarbeitung künftiger Atlanten.

2004 — Initialphase und Pilotprojekt

Heinz-Sielmann Stiftung Wir danken der Heinz-Sielmann-Stiftung herzlich für die Unterstützung!
Bereits auf der Gründungsversammlung der Stiftung Vogelmonitoring Deutschland hatte Prof. Heinz Sielmann angeboten, ADEBAR als bedeutendes Grundlagenwerk für den Vogelschutz wie auch für das Monitoring von Vogelarten zu unterstützen. 2004 förderte die Heinz-Sielmann-Stiftung deshalb eine Pilotstudie mit zwölf geschützten bzw. gefährdeten Vogelarten, deren Verbreitung und Bestände in Deutschland gut bekannt sind. Die Broschüre Brutvögel in Deutschland zeigt, zu welch eindrucksvollen Ergebnissen ADEBAR gelangen kann, wenn Deutschlands Avifaunisten gemeinsam an einem Strang ziehen.
icon downloadBeispiel Steinkauz [230 kb]

Pilotatlas zur ersten Kartiersaison (2005) Pilotatlas zur ersten Kartiersaison (2005)
Am 17. und 18. September 2004 trafen sich zahlreiche Vertreter von ornithologischen Landesverbänden und Naturschutzfachbehörden aus fast allen Bundesländern zur ersten ADEBAR-Fachtagung, um über die Zukunft des gesamtdeutschen Atlasprojekts zu beraten. Einstimmiges Fazit: ADEBAR hebt ab — und zwar bereits ab der Brutsaison 2005!

Bis zum Ende des Jahres 2004 wurden zusammen mit den Experten aus den Bundesländern die Kartierunterlagen vorbereitet, so dass im Frühjahr 2005 tatsächlich mit den Kartierungen begonnen werden konnte.
Mehr zu den Voraussetzungen in den Bundesländern, den Hintergründen, den Methoden und Zielen des Atlas-Projektes können Sie im folgenden Beitrag nachlesen:
Gedeon, K., A. Mitschke & C. Sudfeldt (2004): Atlas Deutscher Brutvogelarten — Dessauer Tagung gab Startschuss für 2005. Vogelwelt 125: 123—135.
icon downloadPDF [ 712 kb ]

Zitierte Literatur

  • Gedeon, K., A. Mitschke & C. Sudfeldt (2004): Atlas Deutscher Brutvogelarten — Dessauer Tagung gab Startschuss für 2005. Vogelwelt 125: 123—135.
    icon downloadPDF [ 712 kb ]
  • Nicolai, B. (1993): Atlas der Brutvögel Ostdeutschlands. Gustav Fischer Verlag, Jena.
  • Rheinwald, G. (1977): Atlas der Brutverbreitung westdeutscher Vogelarten — Kartierung 1975. Dachverband Deutscher Avifaunisten, Radolfzell.
  • Rheinwald, G. (1982): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands — Kartierung um 1980. Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten 6.
  • Rheinwald, G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands — Kartierung um 1985. Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten 12.

 

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