Wo gibt es in Deutschland noch wie viele Rebhühner?
Schnell ans Ziel
Um die aktuelle Verbreitung und Bestandsdichte des Rebhuhns
deutschlandweit zu beschreiben, fand in den Jahren 2024 und
2025 erstmals eine bundesweite, repräsentative und auf das
Rebhuhn angepasste Kartierung statt. Die Auswertung der
Erfassungsergebnisse im Rahmen des Projektes
„Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“
liefert nun eine belastbare Schätzung des bundesweiten
Rebhuhn-Bestandes (2024/2025: 52.300 bis 92.700 Rufnachweise)
und seiner räumlichen Verbreitung. Diese Schätzung stellt
einen wichtigen Referenzwert für Wissenschaft, Politik und
den praktischen Rebhuhnschutz dar. Darüber hinaus werden
durch den Vergleich mit früheren Erfassungen regionale
Bestandsrückgänge sichtbar.
Von Anfang an war klar, dass dieses ambitionierte Ziel nur durch
den Einsatz einer Vielzahl freiwilliger Kartiererinnen und
Kartierer realisiert werden kann. Das Ergebnis kann sich sehen
lassen: Insgesamt wurden in den zwei Jahren knapp 2.000 neu
eingerichtete Zählrouten erfasst und über 1.620 Menschen
wurden für das Rebhuhn aktiv!
Die Kartierung und anschließende Modellierung ergibt für Deutschland
61.800 Rufnachweise (2024/2025) als wahrscheinlichste
Bestandsschätzung, mit einer Spanne von 52.300 bis 92.700.
Dies entspricht einer bundesweiten Dichte von 0,30 (0,25 – 0,45)
Nachweisen pro 100 Hektar Offenland. Der Begriff „Rufnachweise“ beruht
auf der zugrunde liegende Monitoringmethode, die balzende Rebhähne erfasst.
Die Zahl kann nicht unmittelbar als Brutpaarzahl verstanden werden,
spiegelt die Größenordnung des tatsächlichen Brutbestands aber sehr gut wider.
Aktuelle Verbreitungsschwerpunkte des Rebhuhns finden sich in Niedersachsen
und Bayern mit den höchsten Beständen, darauf folgen Nordrhein-Westfalen
und Sachsen-Anhalt (s. Abb. 1). Große Teile Ost- und Südwestdeutschlands
sind hingegen bereits verwaist. Die Ergebnisse der bundesweiten Kartierung
2024/2025 zeigen insgesamt eine Konzentration der verbleibenden
Rebhuhn-Vorkommen auf einige besonders geeignete Regionen. Im Vergleich
zur letzten deutschlandweiten Erfassung des Rebhuhns von 2005 bis 2009
im ersten Atlas Deutscher Brutvogelarten
(ADEBAR, Gedeon et al. 2014) ist die
Verbreitung deutlich zurückgegangen.
Einordnung der Ergebnisse
Bei der bundesweiten Rebhuhn-Kartierung 2024/2025 wurde mit der seit 2022
im Monitoring etablierten und speziell für das Rebhuhn angepassten
Erfassungsmethode
kartiert. Durch den Einsatz einer Klangattrappe und
das Zeitfenster im Spätwinter während des Aktivitätsmaximums der Art,
lassen sich, trotz des langfristig starken Rückgangs des Rebhuhns, die
verbliebenen Bestände sehr gut erfassen. Allerdings sind die daraus
resultierenden Rufnachweise nicht direkt mit Anzahlen oder Dichten aus
klassischen Brutvogelkartierungen vergleichbar.
Die letzte deutschlandweite Kartierung des Rebhuhns fand 2005 bis 2009
im Rahmen der Kartierungen für den Brutvogelatlas ADEBAR statt. Wenn
man die dort ermittelte Bestandsgröße und die aktuell kartierte Anzahl
an Rufnachweisen für das Rebhuhn betrachtet, scheint sich daraus
zunächst ein Widerspruch zu ergeben: Die nun ermittelten
ca. 62.000 Rufnachweise liegen sogar nah an der oberen Grenze der
ADEBAR-Bestandsspanne. Es lässt sich in diesen absoluten Zahlen auf
den ersten Blick also kein Rückgang des Rebhuhn-Bestands in Deutschland
erkennen. Allerdings lässt sich anhand der langfristigen
Daten des
Vogelmonitorings auf Stichprobenflächen (Monitoring häufiger Brutvögel)
in diesem Zeitraum ein drastischer Bestandsrückgang des Rebhuhns von
ca. 47 bis 57 % ableiten.
Die scheinbar widersprüchlichen Zahlen ergeben sich aufgrund unterschiedlicher
Erfassungsmethoden: Die nun speziell für das stark gefährdete Rebhuhn neu
etablierte Erfassungsmethode weist eine deutlich höhere
Erfassungswahrscheinlichkeit auf als die klassische Brutvogelkartierung
beim ersten Brutvogelatlas ADEBAR. Dadurch ermöglicht sie eine wesentlich
genauere Abschätzung der Rebhuhnbestände.
Um Bestandsänderungen im Vergleich zur aktuellen bundesweiten Kartierung
interpretieren zu können, müssen die damals ermittelten Werte
dementsprechend mit einem Umrechnungsfaktor versehen werden. Ein aus
Literaturangaben und aktuellen Datenauswertungen zur
Erfassungswahrscheinlichkeit abgeleiteter Umrechnungsfaktor zeigt, dass
die damals ermittelten Anzahlen für eine Vergleichbarkeit mit der
neuen Methode etwa verdoppelt bis verdreifacht werden müssten. Bei einer
entsprechenden Umrechnung der ADEBAR-Ergebnisse von 2005 bis 2009 ergibt
sich im Vergleich zur bundesweiten Rebhuhn-Kartierung 2024/2025 für Deutschland
insgesamt ein Bestandsrückgang von etwa 50 % innerhalb der letzten zwei
Jahrzehnte – was gut zu den Ergebnissen aus dem stichprobenhaften Monitoring passt.
Besonders drastische Einbrüche zeigten die Rebhuhn-Bestände demnach in ehemals
dicht besiedelten Gebieten im Nordwesten Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens
und auf der Schleswig-Holsteinischen Geest. Aber auch in einem breiten Gürtel
von Mecklenburg über Brandenburg bis nach Nordsachsen und im osthessischen
Bergland sowie in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gab es weitreichende
Rückgänge. Daraus wird die große Bedeutung der letzten verbliebenen
Schwerpunktvorkommen für die Umsetzung von wirkungsvollen Maßnahmen und
den Schutz des Rebhuhns in Deutschland ersichtlich.
Von den Kartierungsdaten zur Bestandsschätzung
Die Daten für die bundesweite Rebhuhn-Kartierung wurden auf überwiegend neu
angelegten und repräsentativ über Deutschland verteilten Zählrouten erhoben.
Die Kartierung erfolgte entsprechend des Monitoringstandards im Spätwinter
mittels Klangattrappe. 1.000 vorab zufällig ausgewählte TK25-Quadranten
bildeten dafür die Grundlage.
Die so erfassten Vorkommensdaten sowie ergänzende Daten aus dem Monitoring und
den laufenden Kartierungen für den neuen Brutvogelatlas ADEBAR 2 wurden
zunächst auf Präsenz oder Absenz vereinfacht. Auf dieser Grundlage konnte
unter Einbeziehung verschiedener Wetter- und Landnutzungsvariablen, wie
Temperatur, Niederschlag, Wald- und Bracheanteil, ein Verbreitungsmodell
für das Rebhuhn erstellt werden (s. Abb. 2).
Im zweiten Schritt wurde aus den flächendeckenden Ergebnissen des Verbreitungsmodells
und den kartierten Rebhuhn-Anzahlen ein weiteres Vorhersagemodell erstellt. Dieses
schätzt die Rebhuhn-Anzahl für jeden TK25-Quadranten in Deutschland ab. Die
Bestandsschätzungen wurden lokal korrigiert, falls vollständige Erfassungen höhere
Anzahlen aufwiesen. Die abschließenden Arbeitsschritte ermöglichten eine bundesweite
Bestandsschätzung sowie die Einteilung in Größenklassen (Abb. 1). Die Bestandsspanne
ergibt sich aus dem minimalen und maximalen Schätzwert.
Im weiteren Projektverlauf von „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ bilden die Ergebnisse
die Grundlage, um die Effekte großräumiger Schutzmaßnahmen auf die Rebhuhnbestände zu
untersuchen. So kann beispielsweise das aktuelle Potenzial einzelner Naturräume zur
Stabilisierung oder Steigerung der Rebhuhn-Bestände ermittelt werden. Aber auch außerhalb
des Projekts können die Ergebnisse als Vergleichswerte für weitere Auswertungen,
beispielsweise auf Bundeslandebene, genutzt werden. Die bundesweite Rebhuhn-Kartierung
hat damit wichtige Datengrundlagen geschaffen und bestehende Wissenslücken zur
aktuellen Verbreitung und Bestandssituation des Rebhuhns in Deutschland geschlossen.
Gemeinsam mit den Daten des jährlichen Monitorings lassen sich zudem künftige
Bestandsentwicklungen besser einordnen.
Dank
Besonders danken wir den tausenden Ehrenamtlichen, die an der bundesweiten
Rebhuhn-Kartierung 2024/2025 teilgenommen haben, für ihr großartiges Engagement.
Den Koordinierenden auf Landesebene danken wir ausdrücklich für ihr tatkräftiges
Engagement und die Unterstützung der bundesweiten Rebhuhn-Kartierung: Juliane Balmer,
Andreas Barkow, Jochen Bellebaum, Bettina Fels, Clara Guckenbiehl, Maik Jurke,
Karin Kilchling-Hink, Mathias Kramer, Christian Langebartels, Jasmin Lieser,
Patricia Maag, Tobias Reiners, Dominik Richter, Norbert Roth, Stefan Stübing,
René Thiemann, Martin von Roeder und Benjamin Weigelt.
Mitmachen
Die bundesweite Kartierung ist abgeschlossen, aber die Teilnahme am jährlichen
Rebhuhn-Monitoring ist weiterhin möglich! Wenn Sie Interesse daran haben, das
Monitoring im kommenden Jahr durch eine ehrenamtliche Zählung zu unterstützen,
werfen Sie doch einen Blick auf unsere Mitmachbörse in der alle freien
Zählrouten aufgelistet sind.