Hintergrund

Rotmilan — Land zum Leben

Rotmilan Lebensraum Rotmilane leben in abwechslungsreichen Landschaften mit Baumgruppen und offenen Flächen, auf denen sie ausreichend Nahrung finden.
Foto: Erich Thielscher
Im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt hat der DDA gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und der Deutschen Wildtierstiftung ein großangelegtes bundesweites Artenschutzprojekt zum Rotmilan gestartet. Schwerpunkt des bis Sept. 2019 laufenden Projektes bildet die Naturschutzberatung von Land- und Forstwirten in elf Projektregionen zur Umsetzung praktischer Landschaftspflegemaßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung des Rotmilanbestandes in Deutschland.

Kurzportrait Rotmilan

Rotmilan Foto: Torsten Pröhl
Der Rotmilan ist ein Greifvogel mit rostrotem Gefieder von der Größe etwa eines Mäusebussards. Auffällig sind die langen schmalen Flügel und sein tief gegabelter dreieckig geformter Stoß, mit dem er beim Fliegen elegant manövrieren kann. Der Rotmilan besiedelt abwechslungsreiche Landschaften, bewaldete Regionen mit Seen und Feldern, wo er genügend Futter für sich und seine Jungen findet. Sein Nest baut er hoch in alten Bäumen. Rotmilane sind Teilzieher. Das heißt ein Teil der Population zieht zum Überwintern in Richtung Süden, während andere Artgenossen in ihrem Brutgebiet ganzjährig anzutreffen sind. Die meisten Rotmilane überwintern in Spanien und Frankreich. Aber in den letzten Jahren bleiben immer mehr Rotmilane in Mitteleuropa. Durch die milderen Winter, in denen sich nicht mehr flächendeckend eine langanhaltende Schneedecke bildet, finden sie während der Wintermonate auch bei uns genügend Nahrung.

Eine große Verantwortung

Rotmilan-Verbreitung Verbreitung des Rotmilans in Deutschland.
Quelle: Gedeon et al. 2014
Mehr als die Hälfte aller Rotmilane weltweit brütet in Deutschland. Für den Schutz dieser Vogelart tragen wir daher international eine besonders große Verantwortung. Das kleine Verbreitungsgebiet beschränkt sich fast ausschließlich auf Europa. Es erstreckt sich von Großbritannien und Südschweden über Mittel- und Westeuropa bis nach Spanien und Portugal.

Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland sind die nordostdeutschen Bundesländer und die waldreichen Mittelgebirgslagen. Der Bestand beträgt aktuell 12-15.000 Paare. Kein Land in Europa beherbergt eine ähnlich hohe Anzahl. Doch der Rotmilan ist bei uns bedroht: Langjährige Untersuchungen im Rahmen des Programms „Monitoring Greifvögel und Eulen Europas“ zeigen, dass sein Bestand seit Ende der 1980er Jahre um ein Drittel abgenommen hat. Die immer intensivere Landnutzung erschwert dem Greifvogel die Nahrungssuche. Heute werden in vielen Regionen Deutschlands auf weiten Teilen der Ackerflächen Mais, Wintergetreide und Raps angebaut. Die Getreidepflanzen wachsen dicht an dicht und sehr schnell auf. Dadurch versperren sie den Rotmilanen und vielen weiteren Greifvogelarten, die über den Feldern auf Futtersuche nach Kleinsäugern und Wirbellosen für sich und Ihre Jungen sind, die Sicht.

Neben den Habitatveränderungen stellen Vergiftungen durch Pestizide, Kollisionen mit Windkraftanlagen und Stromleitungen, Störungen am Nest durch Waldarbeiten, Unfälle im Straßenverkehr sowie leider auch immer noch illegal ausgelegte Köder und Abschüsse Gefahren für den Rotmilan dar.

Bundesprogramm Biologische Vielfalt

logo Bundesprogramm Biologische Vielfalt logo BfN logo BMUB
Das Rotmilan-Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt seit 2011 die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt. Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Im 1. Förderschwerpunkt „Verantwortungsarten“ werden Projekte gefördert, die den Erhalt und die Entwicklung von Verantwortungsarten und ihrer Lebensräume zum Ziel haben, um langfristig überlebensfähige Populationen zu sichern. Insgesamt wurden vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit den Bundesländern 40 Tier- und Pflanzenarten identifiziert, für deren Schutz Deutschland international eine besonders hohe Verantwortung trägt. Dazu zählen beispielsweise Arten wie Wildkatze, Feuersalamander, Arnika und Rotmilan. Weil sie weltweit nur hier in Deutschland vorkommen oder ein großer Anteil ihres weltweiten Bestandes bei uns zu finden ist, gilt es besonders, diese Arten bei uns zu schützen.

Hervorragender Naturschutz: Projekt zum Schutz des Rotmilans durch UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet

Als UN-Dekade für die biologische Vielfalt wurden von den Vereinten Nationen die Jahre 2011 bis 2020 erklärt. Die Staatengemeinschaft ruft damit die Weltöffentlichkeit auf, sich für die biologische Vielfalt einzusetzen. Hintergrund ist der kontinuierliche Rückgang an Biodiversität in fast allen Ländern der Erde. Die Dekade soll die Bedeutung der Biodiversität für unser Leben bewusst machen und zum Handeln anstoßen.

Weitere Informationen zur UN-Dekade für biologische Vielfalt erhalten Sie unter www.undekade-biologischevielfalt.de.

 

Bild„Vögel in Deutschland “ behandelt auf über 70 Seiten die Erfsssung rastender Wasservögel.

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