Europaweite Synchronzählungen von Zwerg- und Singschwan
Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für Zwergschwäne. Daher erfolgt sowohl im Januar als auch im März in Deutschland eine vollständige Erfassung. Foto: L. Ritzel
Gute Abdeckung in Deutschland wichtig!
Bei der letzten Zählung im Januar 2005 wurden in Deutschland 27.158 Singschwäne gezählt, auf deren Basis ein Bestand von 29.000 Ind. geschätzt wurde. Im Vergleich zur Synchronzählung 1995 hatte sich der Bestand damit nahezu verdoppelt und den bis dato höchsten dokumentierten Wert erreicht. Nach teils noch vorläufigen Angaben aus anderen europäischen Ländern lag der Bestand der nordwesteuropäischen biogeographischen Population bei 90.000 Singschwänen. Auf Basis der zuletzt europaweit ausgewerteten Synchronzählung im Januar 1995 wurden 59.000 Ind. geschätzt. Der deutliche Bestandsanstieg in Deutschland fügt sich somit in die internationale Entwicklung ein.
Von den Zwergschwänen wurden 3.390 Ind. erfasst, woraus eine Schätzung von 3.600 Individuen abgeleitet wurde. Im Vergleich zu 1995 hatte sich der Januarbestand damit etwa verdreifacht. Neben einer generellen Verlagerung der Winterquartiere nach Nordosten dürfte hierfür vor allem die sehr milde erste Hälfte des Winters verantwortlich gewesen sein, da die Gesamtpopulation der in Nordwesteuropa überwinternden Zwergschwäne seit Mitte der 1990er Jahre deutlich zurückgegangen ist. Auf Basis der Zählung im Januar 2005 wurde der Bestand auf nur noch 21.500 Ind. geschätzt. Es wird gemutmaßt, dass der Gesamtbestand mittlerweile weiter zurückgegangen sein könnte. Das verdeutlicht, wie wichtig die Zählung im Januar 2010 ist!
Die höchsten Rastbestände beim Zwergschwan werden in Deutschland während des Frühjahrszuges erreicht. Im März 2005 rasteten mind. 11.000 Zwergschwäne in Deutschland. Die hiesigen Rastgebiete haben somit eine herausragende Bedeutung für die gesamte biogeographische Population! Deshalb findet am 13./14. März 2010 eine Erfassung aller Zwergschwan-Rastgebiete in Deutschland statt.
Bitte auch Höckerschwäne erfassen!
Verbreitung des Höckerschwans im Januar in Deutschland nach den Daten der Wasservogelzählung (Mittelwert je Zählgebiet 2000/01–2007/08). Die Zähldaten vom Hochrhein wurden dankenswerter Weise von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zur Verfügung gestellt. Eine Reihe weiterer Arten, allen voran Gänse, suchen ebenfalls in der Agrarlandschaft nach Nahrung. Sofern diese im Rahmen der „Schwanensuche“ entdeckt werden und es die zeitlichen Möglichkeiten zulassen, möchten wir Sie bitten, diese ebenfalls zu notieren. Diese ergänzenden Informationen tragen dazu bei, das Monitoring rastender Wasservögel in Deutschland zu verbessern. Eine gezielte Suche nach den optionalen Arten wird allerdings nicht erwartet!
Hauptziel bleibt jedoch, die Sing- und Zwergschwanbestände vollständig zu erfassen und einen möglichst guten Überblick über die Höckerschwan-Vorkommen zu erhalten!
Bitte Alter und Nahrungshabitate erfassen!
Zwei adulte Höckerschwäne mit drei Jungvögeln. Bitte notieren Sie im Rahmen der Zählung Alt- und Jungvögel getrennt, wenn möglich auch die Familiengröße. Foto: G. Reichert
Von den im Januar 2005 gezählten Singschwänen wurden 60 % einem Nahrungshabitat zugeordnet, bei den Zwergschwänen waren es sogar fast 86 %. Auch diese Anteile wurden nirgendwo sonst in Nordwesteuropa erreicht! Mit einem Anteil von 76 % dominierte bei den Singschwänen Raps, die Zwergschwäne hingegen ästen vorrangig auf Grünland (42,8 %). Es gibt Hinweise, dass sich die Habitatwahl seit der letzten Synchronzählung zumindest regional verändert hat. Wir hoffen deshalb, dass auch bei der bevorstehenden Zählung so viel Enthusiasmus bei der Datenerhebung herrscht wie im Januar 2005 und etwaige Veränderungen dokumentiert werden können!
Mitarbeiter gesucht!
Für ein solch ehrgeiziges Vorhaben werden viele Mitarbeiter benötigt. Über die Mitarbeiter an den Monitoringprogrammen (Wasservogelzählung, Monitoring Gänse und Schwäne, Rastvogelzählungen im Wattenmeer) alleine wird es nicht gelingen, alle Rastgebiete abzudecken. Vor allem in den nördlichen Bundesländern werden daher dringend zusätzliche Zähler gesucht. In einem kleinen Team lässt sich die Zählung hervorragend mit einer Beobachtungstour in eine vielleicht bislang unbekannte Gegend verbinden! Interessante Beobachtungen, vor allem aber zählfreundliches Winterwetter und kooperative Schwäne wünschen Ihnen
Johannes Wahl, Axel Degen und Thomas Heinicke
Unter Mitarbeit erhalten Sie weitere Informationen.
Literatur
- Wahl, J. & A. Degen (2009): Rastbestand und Verbreitung von Singschwan Cygnus cygnus und Zwergschwan C. bewickii im Winter 2004/05 in Deutschland. Vogelwelt 130: 1–24.
PDF [
2864 kb] - Laubek, B., L. Nilsson, M. Wieloch, K. Koffijberg, C. Sudfeldt & A. Follestadt (1999): Distribution, numbers and habitat choice of the NW European Whooper Swan Cygnus cygnus population: results of an international census in January 1995. Vogelwelt 120: 141–154.
PDF [
3775 kb]

