Schwäne (int. Synchronzählung)

Europaweite Synchronzählungen von Zwerg- und Singschwan

Zwergschwan. Foto: L. Ritzel Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für Zwergschwäne. Daher erfolgt sowohl im Januar als auch im März in Deutschland eine vollständige Erfassung.
Foto: L. Ritzel
Schwäne halten sich während des Tages oft abseits der Gewässer in den Nahrungsgebieten auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auf. Ihre Bestände werden daher nur zu einem Teil über die Zählgebietskulisse der Wasservogelzählung erfasst. Seit den 1980er Jahren — und seit den 1990er Jahren in fünfjährigem Turnus — werden deshalb internationale Synchronzählungen durchgeführt, um die Bestandsschätzungen auf internationaler Ebene für die Waterbird Population Estimates regelmäßig zu aktualisieren. Die Zählungen werden von der Swan Specialist Group von Wetlands International durchgeführt. Am 17./18. Januar 2015 steht nun eine weitere europaweite Erfassung der beiden gelbschnäbligen Schwanenarten an; in Deutschland fügen wir diesen den Höckerschwan hinzu.

Gute Abdeckung in Deutschland wichtig!

Singschwan

Singschwan Januar 2005 Verbreitung des Singschwans im Januar 2005 nach den Daten der int. Synchronzählung. Deutschland war zum Zeitpunkt der Zählung in den Niederungen schneefrei. Im Januar 2010 lagen weite Teile Nord- und Ostdeutschlands unter einer dicken Schneedecke. Viele Gebiete waren nicht von den Zählern zu erreichen.
Bei der Zählung im Januar 2005 wurden in Deutschland 27.158 Singschwäne gezählt, auf deren Basis ein Bestand von 29.000 Ind. geschätzt wurde. Im Vergleich zur Synchronzählung 1995 hatte sich der Bestand damit nahezu verdoppelt und den bis dato höchsten dokumentierten Wert erreicht. Nach teils noch vorläufigen Angaben aus anderen europäischen Ländern lag der Bestand der nordwesteuropäischen biogeographischen Population bei 90.000 Singschwänen. Auf Basis der zuletzt europaweit ausgewerteten Synchronzählung im Januar 1995 wurden 59.000 Ind. geschätzt. Der deutliche Bestandsanstieg in Deutschland fügt sich somit in die internationale Entwicklung ein. Der Bestandsanteil Deutschlands von fast 30 % an der biogeographischen Population verdeutlicht, wie wichtig eine gute Abdeckung in Deutschland ist.
Im Januar 2010 lagen weite Teile Nord- und Ostdeutschlands unter einen dicken Schneedecke. Viele Singschwan-Rastgebiete konnten deshalb nicht erreicht werden. Auch deshalb erfolgte bislang keine Auswertung der Zählung für den Singschwan.

Zwergschwan

Zwergschwan Januar 2010 Verbreitung des Zwergschwans im Januar 2010 nach den Daten der int. Synchronzählung. Weite Teile Nord- und Ostdeutschlands lagen unter Schnee. Nur im westlichen Niedersachsen hielten sich noch größere Anzahlen auf. Zum Zeitpunkt der Kartenerstellung waren die Daten aus der Wasservogelzählung noch unvollständig.
Von den Zwergschwänen wurden im Januar 2005 deutschlandweit 3.390 Ind. erfasst, woraus eine Schätzung von 3.600 Individuen abgeleitet wurde. Im Vergleich zu 1995 hatte sich der Januarbestand damit etwa verdreifacht. Neben einer generellen Verlagerung der Winterquartiere nach Nordosten dürfte hierfür vor allem die sehr milde erste Hälfte des Winters verantwortlich gewesen sein, da die Gesamtpopulation der in Nordwesteuropa überwinternden Zwergschwäne seit Mitte der 1990er Jahre deutlich zurückgegangen ist. Auf Basis der Zählung im Januar 2005 wurde der Bestand auf nur noch 21.500 Ind. geschätzt.
Aufrund der hohen Schneelage wurden im Januar 2010 in Deuschland nur 652 Zwergschwäne gezählt, vornehmlich im schneefreien westlichen Niedersachsen. Maximal wurden 700 Ind. für Deutschland zum Zeitpunkt der Synchronzählung geschätzt. Für die gesamte biogeographische Population wurde im Januar 2010 ein Bestand von nur noch rund 18.000 Ind. geschätzt. Der Bestandsrückgang setzte sich also weiter fort. Das verdeutlicht, wie wichtig die Zählung im Januar 2015 ist!
Die höchsten Rastbestände beim Zwergschwan werden in Deutschland während des Frühjahrszuges erreicht. Im März 2005 rasteten mind. 11.000 Zwergschwäne in Deutschland. Die hiesigen Rastgebiete haben somit eine herausragende Bedeutung für die gesamte biogeographische Population! Deshalb wollen wir versuchen, am 14./15. März 2015 alle Zwergschwan-Rastgebiete in Deutschland zu erfassen.

Bitte auch Höckerschwäne erfassen!

Hoeckerschwan WVZ Januar Verbreitung des Höckerschwans im Januar in Deutschland nach den Daten der Wasservogelzählung (rot; Mittelwert je Zählgebiet 2001–2013) sowie von ornitho.de (blau; Max. je Ort 2012–2014). Der Höckerschwan wird offenbar über die WVZ recht gut erfasst. Die Zähldaten vom Hochrhein wurden dankenswerter Weise von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zur Verfügung gestellt.
Eine flächendeckende Erfassung der beiden gelbschnäbligen Schwanenarten ist mit einem hohen Aufwand verbunden. Da Höckerschwäne ebenfalls abseits von Stillgewässern rasten, sollen im Januar 2015 auch diese mitgezählt werden, um so die Schätzung des Mittwinterrastbestandes zu präzisieren und ein exakteres Bild ihrer Verbreitung zu erhalten. Obgleich Zwerg- und Singschwan im Fokus der Zählung stehen, möchten wir Sie darum bitten, auch abseits der bekannten Vorkommen dieser beiden Arten gezielt nach Schwänen zu suchen. Vor allem in der Umgebung größerer Stillgewässer und in den Niederungsgebieten der großen Flüsse halten sich Höckerschwäne gerne auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auf.

Eine Reihe weiterer Arten, allen voran Gänse, suchen ebenfalls in der Agrarlandschaft nach Nahrung. Sofern diese im Rahmen der „Schwanensuche“ entdeckt werden und es die zeitlichen Möglichkeiten zulassen, möchten wir Sie bitten, diese ebenfalls zu notieren. Diese ergänzenden Informationen tragen dazu bei, das Monitoring rastender Wasservögel in Deutschland zu verbessern. Eine gezielte Suche nach den optionalen Arten wird allerdings nicht erwartet!
Hauptziel bleibt jedoch, die Sing- und Zwergschwanbestände vollständig zu erfassen und einen möglichst guten Überblick über die Höckerschwan-Vorkommen zu erhalten!

Bitte Alter und Nahrungshabitate erfassen!

Hoeckerschwaene. Foto: G. Reichert Zwei adulte Höckerschwäne mit drei Jungvögeln. Bitte notieren Sie im Rahmen der Zählung das Nahrungshabitat (hier Grünland) sowie Alt- und Jungvögel getrennt, wenn möglich auch die Familiengröße.
Foto: G. Reichert
Im Januar 2005 wurden für 85 % der Sing- und 98 % der Zwergschwäne Angaben zum Alter übermittelt — Quoten, die in Europa ihresgleichen suchten! Mit 14,5 % (Singschwan) bzw. 12,7 % (Zwergschwan) wurden — im langjährigen Vergleich — unterdurchschnittliche Jungvogelanteile ermittelt.
Im Januar 2010 der Jungvogelanteil 11,1 % (n = 441) bei den Zwergschwänen abermals sehr gering. In 21 Fällen konnte die Familiengröße ermittelt werden: zehn Familien hatten 1 Jungvogel, fünf 2, drei hatten 3, zwei Familien beachtliche 4 und eine Familie umfasste sogar 5 Jungvögel. Der Median lag bei 2 Jungvögeln pro Familie (wie 2005).
Beim Singschwan lag der Jungvogelanteil nach vorläufigen Auswertungen im Januar 2010 bei 15,2 % (n = 5.626). Die durchschnittliche Familiengröße lag bei 2,4 Jungvögeln pro Familie (Median: 2; n = 117) - ein im Vergleich zu 2005 fast identischer Wert (2,53, n = 206).

Nahrungshabitat

Von den im Januar 2005 gezählten Singschwänen wurden 60 % einem Nahrungshabitat zugeordnet, bei den Zwergschwänen waren es sogar fast 86 %. Auch diese Anteile wurden nirgendwo sonst in Nordwesteuropa erreicht! Mit einem Anteil von 76 % dominierte bei den Singschwänen Raps, die Zwergschwäne hingegen ästen vorrangig auf Grünland (42,8 %).
Bei der Zählung im schneereichen Januar 2010 war die Situation gänzlich anders: 97 % der Zwergschwäne, für die eine Angabe zum Nahrungshabitat vorlag (n = 416), wurden auf Raps angetroffen.
Bei den Singschwänen war die Situation recht ähnlich wie 2005: Rund 80 % wurden auf Raps angetroffen (n = 3.929).
Um diese gerade im langjährigen Vergleich wichtigen Informationen fortschreiben zu können, möchten wir Sie bitten, auch bei den Zählungen 2015 die Nahrungshabitate der einzelnen Trupps zu notieren und möglichst viele Schwäne nach Alter zu differenzieren. Vielen Dank!

Mitarbeiter gesucht!

Für ein solch ehrgeiziges Vorhaben werden viele Mitarbeiter benötigt. Über die Mitarbeiter an den Monitoringprogrammen (Wasservogelzählung, Monitoring Gänse und Schwäne, Rastvogelzählungen im Wattenmeer) alleine wird es nicht gelingen, alle Rastgebiete abzudecken. Vor allem in den nördlichen Bundesländern werden daher dringend zusätzliche Zähler gesucht. In einem kleinen Team lässt sich die Zählung hervorragend mit einer Beobachtungstour in eine vielleicht bislang unbekannte Gegend verbinden!
Wichtig: Wenn Sie erstmals an den Zählungen teilnehmen oder abseits Ihrer angestammten Zählgebiete nach Schwänen suchen möchten, nehmen Sie bitte VOR der Zählung Kontakt mit dem für Ihre Region zuständigen Koordinator auf. Vielen Dank!

Interessante Beobachtungen, vor allem aber zählfreundliches Winterwetter und kooperative Schwäne wünschen Ihnen

Johannes Wahl, Axel Degen und Thomas Heinicke

Unter Mitarbeit erhalten Sie weitere Informationen.

Literatur

  • Laubek, B., L. Nilsson, M. Wieloch, K. Koffijberg, C. Sudfeldt & A. Follestadt (1999): Distribution, numbers and habitat choice of the NW European Whooper Swan Cygnus cygnus population: results of an international census in January 1995. Vogelwelt 120: 141–154.
    icon downloadPDF [ 3775 kb ]
  • Rees, E. C. & J. H. Beekman (2010): Northwest European Bewick’s Swans: a population in decline. British Birds 103: 640–650.
  • Wahl, J. & A. Degen (2009): Rastbestand und Verbreitung von Singschwan Cygnus cygnus und Zwergschwan C. bewickii im Winter 2004/05 in Deutschland. Vogelwelt 130: 1–24.
    icon downloadPDF [ 2864 kb ]

 

Bild„Vögel in Deutschland “ behandelt auf über 70 Seiten die Erfsssung rastender Wasservögel.

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Vögel in Deutschland

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Bild„Seltene Vögel in Deutschland 2015“ beinhaltet neben dem Seltenheiten-bericht 2015 auch Beiträge zu Bulwersturmvogel, Zwergdrossel und über die Dokumentation von Seltenheiten.

BildDas Buch gibt einen aktuellen Überblick über die Programme, Methoden, Konzepte, Anwendungs- gebiete und Auswertungsmöglichkeiten des Vogelmonitorings. Die Monitoring-Programme häufiger Brutvögel, seltener Brutvögel sowie rastender Wasservögel werden ebenso vorgestellt wie die organisatorischen Voraussetzungen eines international relevanten Vogelmonitorings in Deutschland. Die Darstellung weiterer Projekte wie ADEBAR runden den Überblick ab. Überdies werden Vorteile und Möglichkeiten des Online-Portals ornitho.de für die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und das Monitoring beschrieben.
Bezug:
BfN-Schriftenvertrieb: Tel.: 0 25 01 / 8 01-3 00, Fax: 0 25 01 / 8 01-3 51 oder im Internet