Möwen-Schlafplätze

Das Programm

Lachmouml;we Adulte Lachmöwe im Schlichtkleid.
Foto: B. Steffen
Die bei der Wasservogelzählung ermittelten Möwenzahlen ergeben keinen repräsentativen Überblick über die Anzahlen in Deutschland überwinternder Möwen. Zuverlässige Gesamtbestände lassen sich während des Tages nicht ermitteln, da Äcker, Häfen oder Mülldeponien dabei kaum erfasst werden. Während sich die Möwen tagsüber oft in Kleingruppen zur Nahrungssuche weiträumig verteilen, sammeln sie sich in den Abendstunden in großen Schlafgemeinschaften, die oft auch aus großer Entfernung angeflogen werden. An solchen Schlafplätzen lassen sich die Tiere sehr gut erfassen. Allerdings müssen, um Doppelerfassungen durch einen Wechsel der auch im Winter sehr mobilen Möwen zwischen den Schlafplätzen zu vermeiden, alle bekannten Schlafplätze zeitgleich gezählt werden.

Mit dem Winter 2003/04 wurden die in einigen Bundesländern (z.B. Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz) bereits seit vielen Jahren laufenden Schlafplatzzählungen auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt, um künftig verlässlichere Angaben zum Überwinterungsbestand in Deutschland liefern zu können. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, die Auswirkungen des gravierendsten Eingriffs in das winterliche Möwenleben zu dokumentieren: seit dem 1. Juni 2005 darf kein unbehandelter organischer Siedlungsabfall (z.B. Hausmüll) mehr deponiert werden – die Nahrungsquelle schlechthin in den letzten Jahrzehnten insbesondere für Großmöwen im Binnenland.

Das Zählprogramm wurde auf Bundesebene * mit Ablauf der Zählperiode 2013/14 eingestellt.

Mehrere Gründe waren für diese Entscheidung ausschlaggebend: Mittlerweile werden die Möwen in nahezu allen Zählgebieten im Rahmen der WVZ sowie seit jeher im Rahmen des Trilateralen Rastvogelmonitorings im Wattenmeer (TMAP) konsequent erfasst, so dass die Bestandsentwicklung der Möwenbestände im Winterhalbjahr inzwischen beschrieben werden kann. Gleichzeitig ging die Anzahl erfasster Schlafplätze in den vergangenen Wintern kontinuierlich zurück.

Zur Erfassung des Gesamtbestandes, der nur über Schlafplatzzählungen verlässlich erfasst werden kann, sind jährliche Erfassungen nicht notwendig, eine Erfassung in mehrjährigem Abstand, wie etwa im Rahmen internationaler Synchronzählungen, ist hierfür ausreichend. Durch die Zählungen in elf Wintern haben wir eine gute, in mehreren Bundesländern sogar sehr gute Kenntnis der Lage der Schlafplätze, so dass die Grundlage für Erfassungen in mehrjährigem Abstand gelegt ist.

Die abschließende Auswertung der Daten der bundesweiten Möwen-Schlafplatzzählung ist derzeit in Arbeit.

Für Ihre Mitarbeit bedanken sich Jochen Bellebaum, Martin Boschert, Johannes Wahl

* Einzelne Bundesländer haben bereits verlauten lassen, dass die Zählungen fortgesetzt werden sollen. Um die Vergleichbarkeit mit den bisher erhobenen Daten zu gewährleisten, sollten die Zählungen wie bisher auch am Wochenende vor der Mittmonatszählung im Dezember und am Wochenende nach der Mittmonatszählung im Januar erfolgen. Im Winter 2014/15 sind dies der 6. Dezember und der 24. Januar.

 

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Bild„Vögel in Deutschland 2014“ behandelt auf über 70 Seiten die Hintergründe der in Vögel in Deutschland 2013 beobachteten Bestandsveränderungen sowie die Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland.

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BfN-Schriftenvertrieb: Tel.: 0 25 01 / 8 01-3 00, Fax: 0 25 01 / 8 01-3 51 oder im Internet