Möwen-Schlafplätze

Möwen-Schlafplatzzählungen

Ergebnisse der Saison 2008/09

Lage und Größe der im Winter 2008/09 erfassten Schlafplätze. Abb. 1: Lage und Größe der im Winter 2008/09 erfassten Schlafplätze (Bodensee: synchrone Tageszählungen). Dargestellt ist die Gesamtsumme aller Möwen. Lagen zwei Zählungen vor, wurde die mit dem größeren Gesamtbestand abgebildet. Schlafplätze, die im Rahmen der Zählungen bereits einmal erfasst wurden und für die bislang keine Ergebnisse vorliegen, sind ebenfalls dargestellt. Falls dort doch gezählt wurde, leiten Sie die Daten bitte baldmöglichst an Ihren Landeskoordinator weiter. Datenstand: 23.11.2008.
Mittlerweile können wir auf 6 Winter mit bundesweiten Möwen-Schlafplatzzählungen zurückblicken. Die Datenreihe wird damit immer aussagekräftiger hinsichtlich der Entwicklung und Dynamik der Überwinterungsbestände, und gleichzeitig wachsen mit jeder neuen Zählperiode unsere Erkenntnisse über die Überwinterungsbestände, denn auch im vergangenen Winter konnten neue Zählgebiete in das Programm integriert werden.

Teils für mehrere Wochen waren im Januar und Februar viele Stillgewässer mit Eis bedeckt, überdurchschnittlich kalt war der Winter 2008/09 insgesamt jedoch nicht, wenn man ihn im langjährigen Vergleich betrachtet. Bis Weihnachten 2008 waren die Temperaturen einem Winteranfang angemessen und bewegten sich im Mittel meist zwischen 0 und 5 °C, rutschten vor allem im Süden aber auch ab und an unter den Gefrierpunkt. Am ersten Zähltermin, am Nikolaustag, waren dennoch alle Gewässer, für die entsprechende Angaben vorlagen, eisfrei. Ganz anders zum Januar-Termin: nach der ab Ende Dezember einsetzenden, knapp 3 Wochen andauernden Kältephase waren am 24. Januar nur noch 40 % der Zählgewässer eisfrei, knapp ein Drittel war ganz oder zu mehr als drei Vierteln zugefroren.

Im Winter 2008/09 wurden 192 Zählplätze mindestens einmal aufgesucht und insgesamt bei 343 Zählungen rund 413.000 Ind. erfasst, die sich zu etwa gleichen Anteilen auf die beiden Monate verteilen. Insgesamt Größere Lücken bei den bereits einmal erfassten Zählplätzen gab es im Winter 2008/09 nur in Brandenburg und am Oberrhein (Abb. 1).

Kalter Januar hinterlässt seine Spuren

Entwicklung der Lachmöwen-Rastbestände in Deutschland nach den Daten der Schlafplatzzählungen des DDA. Abb. 2: Entwicklung der Lachmöwen-Rastbestände in Deutschland nach den Daten der Schlafplatzzählungen des DDA. Die Indexwerte geben die Veränderung relativ zum Winter 2003/04 wider (Fahnen der Indexwerte = Standardfehler).
Betrachtet man die Bestandsentwicklung der Lachmöwe, so zeigt sich ein weiterer Rückgang im Januar (Abb. 2). Da jedoch auch im Dezember der Bestand unter jenem des Vorjahres lag, muss offen bleiben, welchen Einfluss die kalten Temperaturen tatsächlich hatten. Denn offenbar kam es infolge der Vereisungen zu einem deutlichen Anstieg der Bestände im Siedlungsbereich, etwa in Berlin, wo im Januar zeitweise sehr große Ansammlungen festgestellt und seit Beginn der synchronen Schlafplatzzählungen vermutlich die höchsten Möwenbestände ermittelt wurden.

Trend Srummöwe Abb. 3: Entwicklung der Sturmmöwen-Rastbestände in Deutschland nach den Daten der Schlafplatzzählungen des DDA. Die Indexwerte geben die Veränderung relativ zum Winter 2003/04 wider (Fahnen der Indexwerte = Standardfehler).
Deutlich zeigt sich hingegen der Zuzug der Sturmmöwen im Januar, wenn man den im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheren Indexwert in dieser Weise interpretiert. Interessant ist bei dieser Möwenart jedoch nach wie vor, dass sich die Indexkurven der beiden Monate deutlich in ihrem Verlauf unterscheiden (Abb. 3). Möglicherweise ist bei den Sturmmöwen auch im Winter noch wesentlich mehr „Bewegung“ in den Rastbeständen, als bei den anderen beiden häufigen Möwenarten.

Trend Silbermöwe Abb. 4: Entwicklung der Silbermöwen-Rastbestände in Deutschland nach den Daten der Schlafplatzzählungen des DDA. Die Indexwerte geben die Veränderung relativ zum Winter 2003/04 wider (Fahnen der Indexwerte = Standardfehler).
Ebenfalls als kältebedingten Zuzug dürfte der Anstieg der Indexwerte der Silbermöwe im Januar zu interpretieren sein, zumal die Rastbestände im Dezember offenbar auf dem niedrigen Niveau nach dem „Deponie-Knick“ von 2005 auf 2006 verblieben (Abb. 4).
Steppenmöwen-Hochburg ist weiterhin Sachsen, wo die Art mancherorts die dominierende Großenmöwenart ist. Größere Ansammlungen wurden darüber hinaus im angrenzenden Sachsen-Anhalt sowie an einzelnen Schlafplätzen wie etwa dem Laacher See in Rheinland-Pfalz oder auch am Bodensee festgestellt. Vermutlich infolge der Kälte traten im Januar auch in anderen Gebieten Steppenmöwen in größerer Anzahl auf, etwa in einigen Gebieten in Nordrhein-Westfalen, aber auch im Süden Deutschlands wie etwa am Inselrhein oder an der bayerischen Donau. Bei Mittelmeer- und Mantelmöwe zeigten sich keine auffälligen Veränderungen, sowohl im Vergleich mit den Vorjahren als auch zwischen Dezember und Januar.
Durchaus bemerkenswert ist, dass trotz der Kälteperiode im Januar noch 3 Schwarzkopf- sowie knapp 50 Heringsmöwen gezählt wurden – letztere überwiegend in den westlichen Bundesländern. Für eine freudige Überraschung sorgten ebenfalls im Januar zwei Dreizehenmöwen, die am Inselrhein bei Bingen sowie an der Donau in Straubing entdeckt wurden.

Herzlichen Dank!

Ganz herzlich danken möchten wir allen an den Zählungen des vergangenen Winters Beteiligten, allen voran den Koordinatoren Moritz Mercker (Schleswig-Holstein), Jürgen Dien (Hamburg), Werner Eikhorst (Bremen), Sabine Wenzel (Oldenburger Land), Alessandro Kormannshaus (Berlin), Martin Schulze (Sachsen-Anhalt), Winfried Nachtigall (Sachsen), Andreas Goedecke (Thüringen), Jörg Nowakowski (Nordrhein-Westfalen), Stefan Stübing (Hessen), Mathias Jönck (Rheinland-Pfalz), Günther Süßmilch (Saarland) und Stefan Kluth (Bayern) sowie den über 200 Zählerinnen und Zählern!

Eine ausführliche Auswertung der Zählsaison 2008/09, einschließlich einer namentlichen Danksagung, finden Sie im Rundbrief zum Monitoring rastender Wasservögel 2008/09.

Zählungen 2009/10

Die Möwen-Schlafplatzzählungen im Winter 2009/10 finden am 5. Dezember sowie am 23. Januar statt (jeweils samstags). Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den zuständigen Landeskoordinator.