Häufige Brutvögel alt

Monitoringprogramm Häufige Brutvögel
nach der alten Methode

Goldammer Wie entwickelt sich der Bestand der Goldammer?
Foto: L. Ritzel
Während man in einigen anderen europäischen Ländern teilweise bereits in den 1960er Jahren systematische Erfassungen der häufigen Brutvogelarten begann, existierte bis Ende der 1980er Jahre in Deutschland kein derartiges Langzeitbeobachtungsprogramm. Nach einem Erfahrungs- und Meinungsaustausch mit Ornithologen europäischer Länder, in denen Monitoringprogrammen schon längere Zeit liefen (Niederlande, Großbritannien, Schweden, Finnland), wurde 1988 beschlossen, auch in Deutschland mit einem Monitoring häufiger Arten zu beginnen. Es war dabei nicht das erklärte Ziel, absolute Bestandszahlen zu ermitteln, sondern es kam darauf an, Trends zu erkennen. Es sollte möglich werden, rechtzeitig zumindest gravierende und anhaltende Bestandsveränderungen feststellen zu können, um ggf. weitere Untersuchungen oder Maßnahmen einzuleiten, bevor eine Art so selten geworden ist, dass Hilfe möglicherweise zu spät kommt.

Zwischen 1989 und 2003 mindestens einmal bearbeitete Routen und Flächen. Zwischen 1989 und 2003 mindestens einmal bearbeitete Routen und Flächen.
Quelle: DDA
Bis heute basiert das Monitoringprogramm auf frei wählbaren Probeflächen und bedient sich zweier Standardmethoden, der Punkt-Stopp-Zählung bzw. der Revierkartierung. Insgesamt sind im Untersuchungszeitraum 1989-2003 die Daten von 697 verschiedenen Punkt-Stopp-Routen und 323 Revierkartierungsflächen gemeldet und in der Datenbank erfasst worden (s. Abb.). Die jährliche Stichprobengröße liegt bei maximal 497 PS-Routen und 147 RK-Flächen.

Ergebnisse des Monitorings häufiger Arten

Zwischen 1989 und 2003 mindestens einmal bearbeitete Routen und Flächen. Korrelation zwischen den jährlichen Bestandsänderungen des Zaunkönigs (RK-Index) und der Anzahl der Eistage des vorangegangenen Winters (Station Soltau).
Quelle: Flade & Schwarz (2004b)
Für viele häufige Arten liegt damit eine sehr verlässliche Datenbasis vor, die differenzierte Aussagen zu den die Bestandsentwicklung beeinflussenden Faktoren zulässt. In einer umfangreichen Auswertung der Daten wurden im "3. Bericht zur Lage der Vögel in Deutschland" die beeindruckenden Ergebnisse der Waldvögel vorgestellt. F ür 12 Teil- und Kurzstreckenzieher konnte dabei aufgezeigt werden, dass sich harte Winter negativ auf die Bestandsentwicklung auswirken, am stärksten beim Zaunkönig (s. Abb.). Insgesamt für 10 (auch) samenfressende Arten konnten signifikant positive Zusammenhänge zwischen Waldbaummasten und jährlichen Bestandsänderungen gefunden werden: in Jahren mit gutem Nahrungsangebot wurden höhere Bestände festgestellt, als in Jahren mit einem geringen. Doch des einen Freud' ist mitunter des anderen Leid: Beim Trauerschnäpper zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen den Baummasten und der Bestandsentwicklung. Diese Art steht in Höhlenkonkurrenz zu den Meisen und dem Kleiber, so dass in Jahren mit reichem Nahrungsangebot dem später eintreffenden Langstreckenzieher Trauerschnäpper nur wenige Brutmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Bestandsentwicklung des Waldlaubsängers in Deutschland 1990-2003. Bestandsentwicklung des Waldlaubsängers in Deutschland 1990-2003.
Quelle: DDA
Sieben von zehn signifikant abnehmenden Waldarten sind Langstreckenzieher, wie z.B. der Waldlaubsänger, der seit Beginn des Programms deutlich zurückgegangen ist (s. Abb.). Es ist daher zu vermuten, dass die größte Gefährdung für unsere häufigeren Waldvogelarten wahrscheinlich von Veränderungen auf dem afrikanischen Kontinent ausgeht.
Eine ausführliche Darstellung der hier kurz zusammengefassten Ergebnisse der Auswertung zu den Waldvögeln finden Sie in folgendem Beitrag:

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Weitere interessante Ergebnisse finden Sie zudem in den folgenden Artikeln:

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NHI. Verlauf des Nachhaltigkeitsindikators für die Artenvielfalt (Indexwerte) im Vergleich zum Zielwert für 2015.
Quelle: BfN
Die Daten des Monitorings häufiger Arten des DDA fließen auch in mehrere Indikatoren, u.a. in den Nachhaltigkeitsindikator der Bundesregierung und zum anderen in europaweite Indikatoren, die durch das European Birds Census Council (EBCC) erarbeitet und inzwischen auch teilweise von der EU-Kommission für deren Nachhaltigkeitsstrategie übernommen wurden.

Die Zukunft des Monitorings häufiger Arten

Inzwischen sind die Anforderungen an ein bundesweites Monitoringprogramm auf vielfältige Weise angewachsen, die es notwendig machten, das 1989 begonnene Programm methodisch zu verbessern. Mit der Brutsaison 2004 wurde daher in Deutschland ein neues, auf zufällig verteilten Probeflächen basierendes Monitoring der häufigen Brutvögel mit einer anderen Kartiermethode gestartet, dass die methodischen Schwächen des 1989 begonnenen Programms ausmerzt.
Nach dem Vorbild aus Großbritannien, wo seit 1994 ebenfalls eine methodische Umstellung des Monitorings häufiger Brutvögel zugunsten zufällig ausgewählter Probeflächen vorgenommen wurde, soll auch in Deutschland ein Anschluss der seit 1989 erhobenen Daten hergestellt werden. Die Punkt-Stopp-Zählungen und Revierkartierungen werden daher mindestens bis 2010 parallel zum neuen Monitoring fortgeführt. Durch die dann mindestens fünf Jahre lang parallel erhobenen Daten wird es möglich sein die Daten aus beiden Stichprobennetzen miteinander zu verknüpfen und so die lückenlose Verbindung des 1989 begonnenen Monitorings "mit der Moderne" herzustellen.

 

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Vögel in Deutschland

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Vergabestand im Monitoring häufiger Brutvögel





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Bezug:
BfN-Schriftenvertrieb: Tel.: 0 25 01 / 8 01-3 00, Fax: 0 25 01 / 8 01-3 51 oder im Internet

BildDas Methoden- handbuch ist wieder gedruckt verfügbar und kann für 29,80 € bestellt werden.