Gänse und Schwäne

Jungvogelmonitoring Gänse

Die Erfassung von Jungvogelanteilen und Familiengrößen bei überwinternden Gänsen

Blaessgans-Familie Vor allem zu Beginn des Winters lassen sich Alt- und Jungvögel bei Blässgänsen gut unterscheiden. Deutlich zu erkennen ist bei den drei Jungvögeln (rechts) das scheckige Flankengefieder, zudem fehlt ihnen der weiße Flankenstreif des Altvogels (links). Es sind auch keine Ansätze der schwarzen Bauchfleckung sichtbar. Dem mittleren der drei Jungvögel fehlt jegliche Blässe, zudem ist der deutlich dunklere Schnabel gut zu erkennen (vor allem die dunkle Spitze [Nagel] ist bis ins Frühjahr ein verlässliches Merkmal). Anhand des weißen Flankenstreifens sowie der Bauchfleckung ist auch der äsende Vogel im Hintergrund zu dieser Jahreszeit eindeutig als Altvogel bestimmbar. Grietherbusch (Unterer Niederrhein), November 2006.
Foto: Stefan Sudmann.
Erfassungen von Jungvogelanteilen und Familiengrößen sind ein wichtiger Bestandteil von Monitoringprogrammen bei Rastvögeln. Zusammen mit den Überlebensraten, die über Beringungsprogramme ermittelt werden, sowie den im Rahmen monatlicher Zählungen ermittelten Rastbeständen bilden sie ein so genanntes "Integriertes Populationsmonitoring", d.h. es werden alle wichtigen (natürlichen) Faktoren erfasst, die die Größe einer Population maßgeblich bestimmen.
Während bei den Schwänen die Bestimmung relativ einfach ist und die Erfassung über das gesamte Winterhalbjahr erfolgen kann (Jungvögel Schwäne), ist eine Altersdifferenzierung bei Gänsen deutlich schwieriger und damit zeitaufwändiger. Zudem sind die Jungvögel bei den meisten Arten vor allem in der ersten Hälfte des Winters eindeutig von den Altvögeln zu unterscheiden. Das heißt es ist entscheidend, wann die Auszählung erfolgt. Andernfalls wird der Bruterfolg unterschätzt, da ein Teil der Jungvögel nicht mehr erkannt wird.

Die Bestimmung von jungen Gänsen

Jungvogel Blaessgans Junge Blässgans. Gut zu erkennen ist die schwarze Schnabelspitze (Nagel). Typisch ist auch das Fehlen der Blässe. Grietherbusch (Unterer Niederrhein), November 2006.
Foto: Stefan Sudmann.
In der Broschüre Wilde Gänse - erkennen, beobachten, zählen, die von der Projektgruppe Gänseökologie der Deutsche Ornithologen-Gesellschaft herausgegeben wurde (s. Literatur), werden die wichtigsten Merkmale von Jungvögeln bei Gänsen ausführlich erläutert. Es wird jedoch nicht darauf eingegangen, bis wann im Verlauf des Winterhalbjahres Jungvögel eindeutig von Altvögeln unterschieden werden können. In den vergangenen drei Wintern 2004/05 bis 2006/07 wurde daher bei Blässgänsen im niederländisch-deutschen Grenzgebiet untersucht, wie sich die zu Beginn des Winters noch sehr auffälligen Merkmale von Jungvögeln im Laufe der Zeit verändern, um zu klären, wann welche Merkmale eine verlässliche Altersbestimmung ermöglichen.
Als beste Merkmale stellten sich der schwarze Nagel an der Schnabelspitze und das Fehlen der arttypischen schwarzen Bauchfleckung heraus. Vor allem letzteres ist sehr hilfreich, da sich bis in März/April nur bei einigen Vögeln, und dann nur mit geringer Ausdehnung, einige schwarze Bauchflecken zeigen. Auch der schwarze Nagel ist bis in den März ein recht zuverlässiges Merkmal (s. Abbildungen). Doch auch darauf sollte man sich nicht alleine verlassen, da die Schnabelspitze verschmutzt sein kann.
Fazit: die Altersbestimmung sollte immer über die Kontrolle mehrerer Merkmale erfolgen.

Optimale Erfassungsperiode

Grundsätzlich ist die erste Hälfte des Winters am besten zur Ermittlung von Jungvogelanteilen geeignet (s. Tabelle). Die Bestimmung ist vor allem im Herbst nicht nur deutlich einfacher und geht damit schneller, durch die zu dieser Zeit noch deutliche Ausprägung der Merkmale spielt auch die Distanz zu den Vögeln und die Erfahrung der Beobachter eine wesentliche geringere Rolle.
Während der in der nachfolgenden Tabelle genannten artspezifischen Erfassungsperioden sollte auch die Erfassung der Familiengrößen erfolgen. Diese liefern wichtige Zusatzinformationen zum Bruterfolg, ihre Ermittlung ist jedoch schwieriger und vor allem zeitaufwändiger, da die einzelnen Familien oft einige Minuten verfolgt werden müssen, um die zugehörige Anzahl an Jungvögeln zuverlässig bestimmen zu können. Für weniger erfahrene Beobachter ist somit als Einstieg in das Bruterfolgsmonitoring bei Gänsen die Ermittlung der Jungvogelanteile besser geeignet.

  Erfassungsperiode wichtige Merkmale der Jungvögel
Tundrasaatgans Okt. und Nov. Gerundete Flügel und Rückendecken mit schmalem Endsaum; Gefieder an Flanken wirkt gescheckt.
Waldsaatgans - Die Altersdifferenzierung bei Waldsaatgänsen ist nach ihrer Ankunft in Deutschland (ab Oktober) nicht mehr repräsentativ möglich.
Blässgans Okt. bis Dez. Heller Bauch, schwarzer Nagel an Schnabelspitze; keine oder kleine Blässe; sonst wie bei Tundrasaatgans.
Graugans Aug. und Sep. Gerundete Flügel und Rückendecken mit schmalem beigen Endsaum; keine intensive Halsriffelung; schwarzer Nagel an der Schnabelspitze.
Kanadagans Aug. und Sep. Gerundete Flügel und Rückendecken; gescheckt wirkendes Flankengefieder.
Weißwangengans Okt. bis Dez. Kein weißer Endsaum an Flügel und Rückendecken, wirkt „verwaschen“; Flankengefieder gescheckt; Hals und Brust oft nicht tiefschwarz.
Ringelgans Okt. bis Dez. Auffällig breite weiße Endsäume an den Flügeldecken; meistens kein weißer Halsring.

Methodische Hinweise

Generell sollen Jungvogelanteile nur dann ermittelt werden, wenn im betrachteten Trupp mindestens ein Drittel der Individuen auf Alter bestimmt werden kann. Trupps mit überwiegend schlafenden Vögeln sollten nicht betrachtet werden, weil gerade die Jungvögel sich oft auf den Boden setzen und die Merkmale dann schlechter bzw. einige auch gar nicht sichtbar sind. Bei der Zählung werden alle Gänse individuell bestimmt, in dem man den Trupp von einer Seite zur anderen durchgeht (bei langsam äsenden Trupps clevererweise gegen die Bewegungsrichtung des Trupps, da einem dann die Vögel automatisch durchs Bild laufen). Es wird also nicht zuerst die Truppgröße ermittelt und dann die Anzahl der Jungvögel ausgezählt. Kleinere Trupps können oft fast komplett durchmustert werden, bei größeren Trupps (>500) sollte man Stichproben auszählen. Dabei richtet man das Spektiv auf einen Teil des Trupps und geht dann vor wie oben beschrieben. Es sollte berücksichtigt werden, dass sich Familien oft am Rande des Trupps befinden. Es müssen also immer mehrere Teile des Trupps betrachtet werden (vorne, Rand, Mitte, hinten)!

Ausführlichere Hinweise zur Bestimmung der Jungvögel sowie zur Ermittlung der Familiengröße finden Sie in einem Beitrag im Wasservogel-Rundschreiben 2007/08 sowie den unter Literatur angegebenen Quellen.

Zählunterlagen

Diese werden wir in Kürze einstellen.
Bitte wenden Sie in der Zwischenzeit an

Kees Koffijberg Kees Koffijberg
Friedhofstr. 66b
46562 Voerde

Beringte Gänse

Beim Durchmustern der Gänsetrupps werden hoffentlich auch beringte Gänse im Spektiv auftauchen. Eine stets aktuelle Übersicht über Farbmarkierungsprojekt finden Sie auf der Internetseite www.cr-birding.be.
Die Meldung von Ringablesungen bei Gänsen ist seit 2006 komfortabler denn je: Nach einer Registrierung im System können über eine Eingabemaske auf der Internetseite www.geese.org alle Beobachtungen beringter Bläss-, Saat-, Ringel-, Grau- und Weißwangengänse gemeldet werden – alles auch auf Deutsch.

Literatur

  • Bergmann, H-H., T. Heinicke, K. Koffijberg, C. Kowallik & H. Kruckenberg (2006): Wilde Gänse: erkennen, beobachten, zählen. Projektgruppe Gänseökologie DO-G.
    Die Broschüre kann gegen 3 Euro Versandkosten über die  Homepage der Projektgruppe Gänseökologie bestellt werden.
  • Koffijberg K. (2006): Herkenning en ruipatronen van eerstejaars Kolganzen in de winter. Limosa 79: 163–168.
    Der Artikel steht auf der  Homepage der SOVON zur Verfügung.

 

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Bezug:
BfN-Schriftenvertrieb: Tel.: 0 25 01 / 8 01-3 00, Fax: 0 25 01 / 8 01-3 51 oder im Internet