Goldregenpfeifer (int. Synchronzählung)

Europaweite Goldregenpfeifer-Synchronzählungen

Goldregenpfeifer. Foto: L. Ritzel Einer von vermutlich >200.000 Goldregenpfeifern, die es im Oktober zu zählen gilt.
Foto: L. Ritzel
Goldregenpfeifer halten sich außerhalb der Brutzeit - im Gegensatz zu den meisten anderen Limikolenarten - nicht überwiegend in Feuchtgebieten auf, sondern rasten auch in großer Zahl in der Agrarlandschaft. Entsprechend werden europaweit nur geringe Anteile des Gesamtbestandes über die Monitoringprogramme rastender Wasservögel erfasst. Im Oktober 2003 fand daher auf Initiative der International Wader Study Group (der Watvogel-Fachgruppe von Wetlands International) eine erste, europaweit abgestimmte Erfassung rastender Goldregenpfeifer statt.

Zeitlicher Ablauf des Zuges der Goldregenpfeifer in Nordeuropa. Zeitlicher Ablauf des Zuges der Goldregenpfeifer in Nordeuropa (nach Jukema et al. 2001). Die nachträglich eingefügten Kreise symbolisieren den ungefähren Verbreitungsschwerpunkt der nordwest- bzw. nordosteuropäischen Brutvögel zum Zeitpunkt der Zählung Mitte Oktober.
Der Oktober wurde als Synchronzähltermin gewählt, da zu diesem Zeitpunkt die Goldregenpfeifer aus den unterschiedlichen Brutgebieten noch weitgehend getrennt sind und somit Bestandsschätzungen für die einzelnen biogeographischen Populationen vorgenommen werden können. Zudem treten sie dann vergleichsweise räumlich konzentriert im nördlichen Mitteleuropa sowie in Großbritannien auf, wo außerdem eine hohe Beobachterdichte herrscht - eine nicht ganz unwichtige Voraussetzung für ein solches Vorhaben.

Verbreitung der Goldregenpfeifer im Oktober 2003 in Europa. Verbreitung der Goldregenpfeifer im Oktober 2003 in Europa. Länder, die sich an der Synchronzählung beteiligten, sind grau hinterlegt (aus Rasmussen & Gillings 2007). Für die Zälung 2008 wurde keine europaweite Karte erstellt.
Im Rahmen der ersten Zählung wurde in den wichtigsten Ländern eine sehr gute Abdeckung erreicht und es wurden europaweit über 1 Million Ind. gezählt. In Deutschland rasteten zu diesem Zeitpunkt etwa 220.000 Goldregenpfeifer, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wo über 90 % angetroffen wurden (Ergebnisse). Im Vorfeld der zweiten Zählung am 18./19. Oktober 2008 war vor allem in Osteuropa Werbung für eine Beteiligung gemacht worden, nachdem 2003 in Schweden etwas überraschend über 100.000 Goldregenpfeifer gezählt wurden. Eine Entscheidung mit Weitblick, wie sich herausstellte: Europaweit wurden wiederum knapp über 1 Mio. und in Deutschland mit geschätzten 220.000 Goldregenpfeifern (gezählt rund 204.000) sehr ähnliche Anzahlen erfasst wie fünf Jahre zuvor erfasst, die Verteilung war jedoch - vermutlich bedingt durch eine bis Mitte Oktober sehr milde Witterung - deutlich östlicher, sowohl in Europa als auch innerhalb Deutschlands (Ergebnisse).

Nachdem zunächst ein fünfjähriger Turnus anvisiert war, wurde auf internationaler Ebene vereinbart, die Zählungen ab 2008 alle sechs Jahre zu wiederholen. Denn das zentrale Anliegen der Zählung ist es, die Bestandsangaben der Waterbird Population Estimates regelmäßig zu aktualisieren, die von Wetlands International zusammengestellt werden. Darin werden die Bestandsangaben und -trends aller Wasservogelpopulationen weltweit veröffentlicht. Die aus den Bestandsangaben abgeleiteten 1 %-Werte bilden die Grundlage für die Identifizierung international bedeutender Rastgebiete. Gleichzeitig sind die Zählungen die Basis für bundesweite Rastbestandsschätzungen, denn der Termin im Oktober fällt in den Zeitraum des Durchzugsgipfels in Deutschland. Ein hoher Erfassungsgrad ist damit aus mehreren Gründen wichtig.

Nächste Zählung am 11./12. Oktober 2014 - inkl. Kiebitz und Großem Brachvogel

Rastende Kiebitze. Foto: H. Glader Kiebitze werden - ebenso wie Große Brachvögel - ab 2014 im Rahmen der Goldregenpfeiferzäung ebenfalls erfasst. Es lohnt sich: Geschätzt mind. 750.000 rasteten im Oktober 2008 in Deutschland. Foto: H. Glader
Infolge des nun sechsjährigen Turnus' findet die dritte europaweite Zählung am 11./12. Oktober 2014 statt. Sie kann somit wiederum mit der Erfassung der übrigen Wasservögel kombiniert werden. Ziel ist es, die gute Abdeckung von 2003 und 2008 wieder zu erreichen, ja vielleicht sogar noch etwas mehr aus der mit hohem Aufwand betriebenen Zählung herauszukitzeln. Denn vor allem Kiebitze, aber auch Große Brachvögel treten während der Zugzeiten in ähnlichen Lebensräumen auf wie Goldregenpfeifer, so dass sie im Rahmen der regelmäßigen Rastvogelerfassungen ebenfalls abseits des Wattenmeers "durchs Raster" fallen und wir in Deutschland über die Rastbestände nur unzureichend Bescheid wissen. Im Rahmen der Zählung 2008 wurde deshalb erstmals dazu aufgerufen, auch Kiebitze und Große Brachvögel mitzuerfassen. Obgleich nur in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt die Kiebitze konsequent miterfasst wurden, konnte ein großer Erkenntnisgewinn hinsichtlich der Größenordnung im Herbst in Deutschland rastender Kiebitze erzielt werden: Über 400.000 Kiebitze wurden bundesweit gezählt. Nach vorsichtigen Schätzungen ist von einem Rastbestand von 750.000 Ind. um Mitte Oktober 2008 auszugehen.
Kiebitz und Goldregenpfeifer gehören deshalb ab 2014 zum festen Artenspektrum der europaweiten "Goldregenpfeiferzählung" in Deutschland. Auch in den benachbarten Niederlanden werden diese beiden Arten im Rahmen der Zählung erfasst.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend gesucht!

Verbreitung der Kiebitze im Oktober in Deutschland nach ornitho.de. In weiten Teilen Deutschlands sind im Oktober Kiebitze anzutreffen. Helfen Sie mit, möglichst viele von ihnen zu erfassen. Dargestellt sind alle Beobachtungen von Kiebitzen im Oktober nach ornitho.de.
Für ein solch ehrgeiziges Vorhaben werden viele Mitarbeiter benötigt. Über die Mitarbeiter an den Monitoringprogrammen (Wasservogelzählung, Monitoring Rastende Gänse und Schwäne, Rastvogelzählungen im Wattenmeer) alleine wird es nicht gelingen, alle Rastgebiete abzudecken. Vor allem nördlich der Mittelgebirge werden deshalb dringend zusätzliche Zählerinnen und Zähler gesucht. In einem kleinen Team lässt sich die Zählung hervorragend mit einer Beobachtungstour in eine vielleicht bislang unbekannte Gegend verbinden! Machen Sie mit und tragen mit Ihren Beobachtungen dazu bei, dass wir ein möglichst vollständiges Bild der Verbreitung der drei Arten in Deutschland erhalten!

Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung an einem hoffentlich in doppelter Hinsicht goldenen Oktober-Wochenende!

Unter Mitarbeit erhalten Sie weitere wichtige Informationen.

 

BildStatus, Karten, Brut- und Rastbestände, Rote Liste-Status, rechtlicher Schutz ... all das finden Sie in unserem Informationssystem
Vögel in Deutschland

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Bild„Vögel in Deutschland 2014“ behandelt auf über 70 Seiten die Hintergründe der in Vögel in Deutschland 2013 beobachteten Bestandsveränderungen sowie die Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland.

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Bezug:
BfN-Schriftenvertrieb: Tel.: 0 25 01 / 8 01-3 00, Fax: 0 25 01 / 8 01-3 51 oder im Internet