Seltene Brutvögel

Monitoring seltener Brutvögel

Artbild Seeadler
Brutverbreitung der Schwarzkopfmöwen in Deutschland 2004 © Bild: Thomas Hinsche
Der Seeadler steht seit vielen Jahren unter besonderer Beobachtung. Dank der jahrzehntelangen Betreuung durch zahlreiche Freiwillige ist die Bestandsentwicklung sehr genau dokumentiert.
Bestandszahlen der seltenen Brutvögel Deutschlands werden bereits seit langem gesammelt. Der „Arbeitskreis zum Schutz vom Aussterben bedrohter Tiere“ begann 1956 damit, Erhebungen zum Bestand seltener Vogelarten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR durchzuführen. Das Monitoring seltener Brutvögel des DDA startete 1977, war aber in seiner Anfangszeit nur auf wenige Vogelarten beschränkt. In den folgenden Jahren erweiterte sich das Artenspektrum kontinuierlich. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurden beide Programme schließlich miteinander kombiniert. Seit 1995 werden im Rahmen des MsB die Bestände von allen regelmäßig in Deutschland brütenden einheimischen Vogelarten mit weniger als 1.000 Paaren und von vielen Koloniebrütern regelmäßig ermittelt. Zukünftig sollen alle nicht häufigen Brutvogelarten über das Programm bearbeitet werden. Damit wird die lange bestehende Lücke an Informationen für die sog. mittelhäufigen Arten geschlossen.

Ziele und Anwendungen

© Bild: Michael Radloff
Seit 1990 brütet der Bienenfresser regelmäßig in Deutschland. Seitdem hat der Bestand auf über 1.000 Brutpaare zugenommen.
Aus den alljährlich in vielen Gebieten erhobenen Beständen ergeben sich über mehrere Jahre hinweg langjährige Datenreihen, aus denen für die untersuchten Arten Gesamtbestände und Bestandstrends ermittelt werden können. Sie zeigen, welche Arten in ihren Beständen zu- oder abnehmen bzw. sich in einem stabilen Zustand befinden.

Weil Häufigkeit und Verbreitung von Vogelarten immer abhängig sind von der Art und Weise der Landnutzung, gestatten die Bestandstrends wichtige Einblicke in die Qualität von Natur und Landschaft, z. B. mit Hilfe des Indikators „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ der Bundesregierung. Sie sind daher eine unverzichtbare Basis für Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung und Naturschutzverbänden.

Auch für die Beurteilung der Gefährdungssituation in den Roten Listen gefährdeter Brutvögel oder für die Berichterstattung im Rahmen internationaler Regelwerke, die Deutschland unterzeichnet hat, leistet das MsB einen wichtigen Beitrag.

Artenspektrum

Das Monitoring seltener Brutvögel umfasst alle Arten, die nicht ausreichend über das Monitoring häufiger Brutvögel abgedeckt sind. Damit umfasst das Programm Vogelarten ganz unterschiedlicher Häufigkeit, Verbreitungsmuster und Lebensraumansprüche. Das Spektrum reicht von ausnahmsweise oder unregelmäßig brütenden Vogelarten bis hin zu den sogenannten mittelhäufigen Arten. Sie sind einerseits so häufig, dass nicht jedes Brutpaar einzeln erfasst werden kann, auf der anderen Seite jedoch so selten, dass sie nur unzureichend auf den zufällig verteilten Probeflächen des MhB erfasst werden können. Darunter fallen beispielsweise Küstenvögel und alpinen Arten, die zwar vergleichsweise häufig sein können, deren Vorkommen sich aber nur auf wenige Lebensräume beschränken. Räumlich konzentriert auftretende Arten wie Haubentaucher oder Lachmöwe zählen ebenso dazu wie weit verbreitete Arten mit geringer Siedlungsdichte, wie zum Beispiel Kolkrabe und Mittelspecht.

Erfassungsansätze

Gliederung des Monitorings seltener Brutvögel in verschiedene Erfassungsansätze. Erläuterungen siehe Text.
Die Vielzahl besiedelter Lebensräume und die unterschiedlichen ökologischen Ansprüche der seltenen und mittelhäufigen Arten erfordern verschiedene Erfassungsansätze, um eine Datenerhebung mit vertretbarem Aufwand bei bestmöglicher Qualität sicherzustellen. Die folgenden Ansätze sind sehr flexibel und ermöglichen es den MitarbeiterInnen, sowohl das Artenspektrum als auch die Größe der Untersuchungsfläche auf die persönlichen Vorlieben und das verfügbare Zeitbudget anzupassen.

Grundsätzlich werden die Bestände punktgenau erhoben, d. h. ortsgenau in eine Topographische Karte eingetragen. Nach Ende der Kartiersaison wird pro Art anhand der Einzelnachweise die Zahl der Reviere ermittelt.

Arten der Still- und Fließgewässer sowie Feuchtgrünländer

Viele Vogelarten sind vergleichsweise weit verbreitet, aber räumlich eng an bestimmte Lebensräume gebunden. Dazu zählen Arten wie Lappentaucher, Schwäne, Gänse und Enten, aber auch Eisvogel und Wasseramsel. Diese Arten werden in ihren von der umgebenden Landschaft gut abgrenzbaren Lebensräumen erfasst, die als Zählgebiete bezeichnet werden.

Ein Zählgebiet ist deshalb in der Regel durch die Grenze des Lebensraumes der zu erfassenden Vogelart definiert. Stillgewässer umfassen das Gewässer und die Uferzone, Fließgewässer den Lauf z.B. eines Flusses von einer Brücke zur nächsten, so dass die Orientierung im Gelände problemlos möglich ist.

Zählgebiete werden auch für das Monitoring europaweit geschützter Arten und ihrer Lebensräume in den EU-Vogelschutzgebieten als Erfassungsansatz genutzt, um entsprechende Detailauswertungen für Bestandsentwicklungen inner- und außerhalb von Schutzgebieten zu ermöglichen.

Weit verbreitete Arten

© Bild: Lutz Ritzel
Mittelspecht MF Münsterland: Für weit verbreitete Arten ist eine Erfassung auf TK25-Quadranten (rot umrandet) und Minutenfeldern (grau umrandet) geeignet. Das Beispiel des Mittelspechtes in einem Ausschnitt des Münsterlandes zeigt, dass für Arten mit kleinen Revieren auch auf wenigen Minutenfeldern ausreichend hohe Bestände erfasst werden können.
Eine Reihe von Brutvogelarten des MsB ist relativ weit verbreitet, da die besiedelten Lebensräume eine große Fläche einnehmen. Dazu zählen die Vögel der Agrarlandschaft, Wälder oder Siedlungen, wie etwa Rotmilan, Mittelspecht oder Kiebitz. Diese Arten nutzen häufig einen Mix unterschiedlicher Lebensräume. Der Turmfalke z. B. brütet an verschiedensten Orten, sowohl in Einzelbäumen und Gehölzen unterschiedlicher Größe, als auch in Siedlungen oder in Wänden von Steinbrüchen. Zur Erfassung dieser Arten sind daher Probeflächen in Form von TK25-Quadranten und Minutenfeldern besonders geeignet.

Ein TK25-Quadrant hat eine Fläche von rund 30 km² und ist über die TK25 eindeutig einem Bundesland zugeordnet. Jeder TK25-Quadrant umfasst exakt 15 Minutenfelder mit einer Fläche von ca. 2 km². Sie bieten ähnlich wie die 1 km² großen Probeflächen des Monitorings häufiger Brutvögel vielfältige Auswertungsmöglichkeiten bis hin zur Hochrechnung von Beständen und Modellierung der Verbreitung.

Sehr seltene Horstbrüter, wie Seeadler und Weißstorch, werden über das System der HorstbetreuerInnen in Anbindung an die Vogelschutzwarten der Bundesländer bereits dauerhaft und vollständig erfasst. Für alle unregelmäßigen Brutvogelarten, wie z. B. Stelzenläufer, werden alle in der Regel zufälligen Nachweise in Zusammenarbeit mit der Deutschen Avifaunistischen Kommission (DAK) gesammelt.

Erfassungstermine

Grundsätzlich gelten für das MsB die Vorgaben der „Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands“. Pro Lebensraumtyp und Artengruppe ergeben sich 3 Tag- bzw. 2 Nachtbegehungen.

Die Bearbeitung des gesamten Artenspektrums ist mit max. 6 Tag- und 5 Nachtbegehungen abgedeckt. Durch die freie Wahl der zu bearbeiteten Artengruppen und der Größe der Erfassungseinheiten, können die am Programm beteiligten KartiererInnen den erforderlichen Erfassungsaufwand an das persönliche Zeitbudget anpassen.

Tab: Begehungstermine für das Monitoring seltener Brutvögel. Maximal sind 6 Tag- und 5 Nachtbegehungen notwendig. Für die Arten der einzelnen Lebensräume sind maximal drei Tag- und drei Nacht-Begehungen erforderlich.
Begehungen Termin 1: 10.03.-31.03.
Termin 2: 01.04.-30.04.
Termin 3: 01.05.-20.05.
Termin 4: 21.05.-20.06.
Termin 5: 21.06.-10.07.
Termin 6: 11.07.-31.07.
  Begehung
  1 2 3 4 5 6
Küste   x N x N x N    
Gewässer   x N x N x N    
Feuchtgrünland   x x x N N  
Wald früh x N x N x      
Wald spät       x N x N x
Agrar früh N x N x x    
Agrar spät       N N  
Siedlung N x N x x    
Alpen N x N x x    

Sie haben Interesse, beim Monitoring seltener Brutvogelarten mitzumachen? Eine Liste mit AnsprechpartnerInnen in Ihrem Bundesland finden Sie hier .

 

Bild

Bild„Vögel in Deutschland 2014“ behandelt auf über 70 Seiten die Hintergründe der in Vögel in Deutschland 2013 beobachteten Bestandsveränderungen sowie die Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland.

Bild„Seltene Vögel in Deutschland 2014“ beinhaltet neben dem Seltenheitenbericht 2014 auch Beiträge zu Kanadakranich, Buschrohrsänger und Pazifiksegler.

BildStatus, Karten, Brut- und Rastbestände, Rote Liste-Status, rechtlicher Schutz ... all das finden Sie in unserem Informationssystem
Vögel in Deutschland

BildDas Buch gibt einen aktuellen Überblick über die Programme, Methoden, Konzepte, Anwendungs- gebiete und Auswertungsmöglichkeiten des Vogelmonitorings. Die Monitoring-Programme häufiger Brutvögel, seltener Brutvögel sowie rastender Wasservögel werden ebenso vorgestellt wie die organisatorischen Voraussetzungen eines international relevanten Vogelmonitorings in Deutschland. Die Darstellung weiterer Projekte wie ADEBAR runden den Überblick ab. Überdies werden Vorteile und Möglichkeiten des Online-Portals ornitho.de für die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und das Monitoring beschrieben.
Bezug:
BfN-Schriftenvertrieb: Tel.: 0 25 01 / 8 01-3 00, Fax: 0 25 01 / 8 01-3 51 oder im Internet

BildDas Methoden- handbuch ist wieder gedruckt verfügbar und kann für 29,80 € bestellt werden.